Inhaltsverzeichnis
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Für kleine und große Kinder
Isabel Abedi: Lucian 2
Antje Babendererde: Indigosommer 3
Nina Blazon: Totenbraut 3
Luca Bloom: Ich, Elias 4
Meg Cabot: Vorhang auf für Allie 4
Kristin Cashore: Die Beschenkte 4
Katja Gehrmann: Gans der Bär 5
Charise Mericle Harper: Einfach nur Grace 5
Ingrid Law: Schimmer 6
Sabine Ludwig: Die schrecklichsten Mütter der Welt 7
Antonia Michaelis: Die Nacht der gefangenen Träume 7
Oliver Uschmann: Das Gegenteil von oben 7
Für Schöngeister und Literaten
Jakob Arjouni: Der heilige Eddy 7
Thommie Bayer: Aprilwetter 8
Alan Bennett: Die souveräne Leserin 8
Borger & Straub: Sommer mit Emma 9
Paola Calvetti: Und immer wieder Liebe 9
Giulia Carcasi: Ich bin aus Holz 10
Kate Christensen: Feldmans Frauen 10
Jonathan Coe: Der Regen bevor er fällt 10
Anne Cushman: Ich, mein Karma und Er 11
Diaz: Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao 11
Katja Doubek: Königin der Meere 12
Thomas Glavinic: Das Leben der Wünsche 12
Joey Goebel: Heartland 13
Xiaolu Guo: Ein Ufo, dachte sie 13
Mohammed Hanif: Eine Kiste explodierender Mangos 14
William Somerset Maugham: Gesammelte Erzählungen 14
Anthony McCarten: Hand aufs Herz 15
Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent 15
Kate Morton: Der verborgene Garten 16
Arto Paasilinna: Der liebe Gott macht blau 16
Barbara Piazza: Die Frauen der Pasqualinis 17
Beate Rygiert: Das Liebesleben der Farne 17
Lisa See: Töchter aus Shanghai 18
Hannah Tinti: Die linke Hand 18
Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr 18
David Wroblewski: Die Geschichte von Edgar Sawtelle 19
Juli Zeh: Corpus Delicti 19
Für Freunde des Nervenkitzels und des Phantastischen
Sharon Bolton: Das Schlangenhaus 20
Joy Fielding: Im Koma 20
Sebastian Fitzek: Splitter 21
Dick & Felix Francis: Abgebrüht 21
Nicci French: Seit er tot ist 21
Tess Gerritsen: Grabkammer 22
Tanja Heitmann: Wintermond 22
Asa Larsson: Bis dein Zorn sich legt 23
Charlotte Link: Das andere Kind 23
Jassy MacKenzie: Todeskälte 24
Nigel McCrery: Kaltes Gift 24
Val McDermid: Nacht unter Tag 25
Hakan Nesser: Das zweite Leben des Herrn Roos 25
Louise Penny: Der grausame Monat 26
Ulrich Ritzel: Beifang 26
Michael Robotham: Dein Wille geschehe 26
Für Genießer, Sachbuchliebhaber und Lebenskünstler
Heike Faller: Wie ich einmal versuchte, reich zu werden 27
Horst Lichter: Alles in Butter! Rezepte zum Glücklichsein 27
Ingo Petz: Kiwi Paradise 28
Alfons Schuhbeck: Meine Küche der Gewürze 28
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Für kleine und große Kinder
Was
wäre wenn... wir alle von Geburt an ein Wesen an unserer Seite hätten,
das uns durch das Leben begleitet, unerkannt und unbemerkt, weil es einfach
nur da ist und sonst nichts? Aber manchmal erkennen diese Geister, dass
wir in Gefahr sind und nehmen dann Menschengestalt an, um uns zu helfen.Als Rebecca Lucian das erste Mal sieht, fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Wer ist dieser Fremde, der immer wieder in ihrer Umgebung auftaucht, ihr abwechselnd aus der Patsche hilft und sie gleichzeitig verunsichert und von sich fernhält? Lucian selber weiß auch nicht, wer er ist. Er ist eines Tages nackt irgendwo aufgewacht, ohne Gedächtnis und ohne Hab und Gut und findet bei einem rätselhaften Gönner Unterschlupf. Warum nur fühlt Rebecca sich so merkwürdig unvollkommen ohne ihn? Und wieso ist er für andere oft nicht vorhanden? Gemeinsam versuchen sie das Geheimnis ihrer gleichen Alpträume und Flashbacks zu lüften. Dabei verlieben sie sich, nicht ahnend, dass sie mit ihrer Liebe gegen alle um sie herum antreten müssen, denn nicht nur Rebeccas Mutter hält Lucian für gefährlich und schickt sie weg.
Eine junge Liebe hart am Abgrund, da kommt einem beim Lesen schon ab und an der Gedanke, ob Rebecca nicht auf eine Psychose zusteuert. Spannend und romantisch mit einem Tick Psychologie und Literatur als Gewürz!
Gerti Greil
Smilla
hat es geschafft! Sie darf ein Jahr zu Bekannten nach Seattle und dort auf
die Highschool gehen. Das Beste daran: Ihr Kindheits-schwarm Alec nimmt
sie vorher noch mit seiner Clique zu einem Surfurlaub an den Strand von
La Push (aufgepasst BISS-Fans) mit. Dort angekommen, zerfallen Smillas Hoffnungen
schnell, Alec ist nicht an ihr interessiert und bei den einheimischen Indianern,
den Quileute, stoßen sie auf kalte Ablehnung. Besonders die Clique
rund um Conrad, dessen Bruder letztes Jahr beim Surfen umkam, verhält
sich richtiggehend feindlich. Gerade er rettet sie aber eines Tages vor
dem Ertrinken und sie lernt ihn von einer anderen Seite kennen. Allerdings
bringt diese latente Feindschaft zwischen den Surfern und den Einheimischen
ihre Zuneigung immer wieder in Gefahr und Conrad gerät unter einen
schlimmen Verdacht.
Bravo, wieder ein gelungener Jugendroman von Antje Babendererde. Wie immer bearbeitet sie das Spannungsfeld zwischen indianischer und neu-amerikanischer Kultur gekonnt. Dass dabei immer wieder auf die "Biss";-Bücher von Stephenie Meyer und den Werwolf-Mythos der Quileute angespielt wird, erhöht das Lesevergnügen! Und die Romantik kommt dementsprechend auch nicht zu kurz.
Gerti Greil
Weil
niemand aus dem Dorf seinen Sohn Danilo heiraten will, kauft ihm Jovan weit
weg von der Heimat die junge Jasna als Braut. Als diese dann auf den Hof
kommt, schnell verheiratet wird und die Ehe rasch und lieblos vollzogen
wird, ahnt sie bereits, dass hier etwas Unheimliches vor sich geht. Sie
sucht im Dorf Hilfe, wird aber abgewiesen. Alles deutet darauf hin, dass
es im Haus des Schwiegervaters einen Vampir gibt, aber sowohl Danilo als
auch Jovan hüllen sich in düsteres Schweigen. Allmählich
deckt Jasna das Geheimnis der Bewohner des Landguts auf: Es liegt ein Fluch
über der Familie, der mit der Geburt eines Erben zu Ende gehen sollte.
Aber weder Danilo noch Jasna wollen für so einen sorgen, denn sie teilen
das Ehebett nicht miteinander. Kurz darauf sterben im Dorf mehr und mehr
Menschen an einer rätselhaften Krankheit, der Vampir soll dafür
verantwortlich sein und der befinde sich auf dem Hof. Inmitten all der Not
lernt Jasna den geheimnisvollen Dusan kennen und lieben und hat trotzdem
zeitweise das Gefühl, niemandem mehr trauen zu können.
Tja, wieder ein Vampir-Roman, denkt man. Nina Blazon lässt den Dämon aber nicht auferstehen aus kühlen Gräbern, sondern beweist, dass er als Aberglaube nur in den Köpfen der Menschen existiert. Ein besonderer Kunstgriff besteht darin, dass sie die Handlung an einem der Ursprungsorte der Entstehung vom Vampirmythos im serbisch-osmanischen Grenzgebiet ansiedelt. Aber man kann ja nie sicher sein… deshalb: Trotzdem sehr spannend.
Gerti Greil
Elias ist fünfzehn und auf der Suche nach allem. Schön langsam
will er sich von seiner sozialpädagogischen Mutter emanzipieren und
sammelt auf ersten Parties schon mal Erfahrungen mit Alkohol und dem weiblichen
Geschlecht. Er probiert ein bisschen rum, bis er sich eines Tages wie vom
Blitz getroffen in Zoe verliebt. Schnell wird klar, dass er ihr gegenüber
kein Superheld zu sein braucht, sie nimmt ihn, wie er ist. Aber sie gibt
wenig von sich selber Preis und hält ihn auch auf Distanz, als er mit
ihr schlafen will. Da passiert auf einer Klassenreise ein dummer Fehler.
Nein, es ist nicht wirklich lustig, das Erwachsenwerden. Luca Bloom trifft hier hervorragend den Ton des Lebensgefühls, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Das ist manchmal lustig, meist chaotisch, nur mäßig spannend und mitunter auch tragisch.
Gerti Greil
Die
9jährige Allie wohnt mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren
Brüdern Mark und Kevin in einem hübschen, neuen Reihenhaus im
Vorort Walnusswald. Eines Tages läuft alles schief. Allie verkracht
sich mit ihrer besten Freundin Mary Kay und ihre Eltern teilen ihr mit,
dass sie demnächst umziehen werden: In einen alten, heruntergekommenen
viktorianischen Altbau mitten in der Stadt, weil das näher an der Arbeitsstelle
ihres Vaters liegt und ihre Mutter sich schon lange etwas zum Renovieren
wünscht. Allie versucht mit viel Geschick den Umzug zu verhindern.
Es gelingt ihr nicht, die Familie bezieht ihr neues Heim und dann wird doch
alles besser als gedacht.
Ein witziges Mädchenbuch, das sehr kurzweilig den Alltag eines 9jährigen Mäd-chens beschreibt, das sich zwischen zickenden besten Freundinnen, nervenden kleinen Brüdern und einem ungewollten Umzug behaupten muss.
Ute Beucher
Katsa
ist eine Beschenkte. In allen sieben Königreichen ist sie als Handlangerin
ihres Onkels, des Königs Randa bekannt. Sie besitzt die Gabe des Tötens
und muss immer öfter gegen ihren Willen brutale Aufträge erfüllen.
Deswegen hat sie mit Gleichgesinnten einen geheimen Rat gegründet,
der sich gegen Unrecht und Willkür wehrt. Bei der ersten Mission im
Auftrag der Guten begegnet sie dem geheimnisvollen Prinzen Bo, der auch
ein Beschenkter ist, und scheinbar als einziger keine Angst vor ihr hat.
Bald taucht er auch am Hofe Randas auf und Katsa fühlt sich immer mehr
zu ihm hingezogen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, um die Entführung
von Bos Großvater aufzuklären und stoßen dabei auf eine
die teuflische Gabe eines der Könige der sieben Reiche, der sie beide
fast das Leben kostet.
Ein ganz besonderer fantastischer Roman für Jugendliche, denn die Suche nach den Tätern wird auch zur Suche nach sich selbst für die beiden Beschenkten. Katsa muss wählen zwischen Vertrauen und Unabhängigkeit und bekommt zweiteres mit ersterem geliefert. Und die besonderen Gaben unserer Helden sind längst nicht so vordergründig, wie sie scheinen. Dass die beiden sich kriegen, ist klar, aber sie wählen einen sehr steinigen Weg. Ein gelungener Roman um eine emanzipierte Liebe!
Gerti Greil
Was
Prägung im Tierreich ist, können mit diesem Bilderbuch bereits
Kindergartenkinder spielerisch und amüsant erfahren: Der Bär wird
unvermutet zur Mama für eine kleine Gans.
Eigentlich ist ja der Fuchs schuld, denn der wollte seiner Frau ein besonderes Geschenk machen und hat aus einer Gänsekolonie in einem günstigen Augenblick ein fast fertig ausgebrütetes Ei gestohlen. Beim Nachhauselaufen stößt er jedoch mit einem Bären zusammen und nimmt schnell Reißaus, wobei er das Ei verliert. Dieses große weiße Ding macht den Bären neugierig und er nimmt es mit, ohne zu bemerken, dass es in dem Ei schon ganz leise klopft. Auf einmal macht es "knacks"; und das kleine Tier, das seinen Kopf aus dem Ei streckt, schaut den Bären an und piepst "Mama". Als sich der Bär umschaut, ist natürlich außer ihm niemand zu sehen. Das Tier hält ihn offen-sichtlich für seine Mama. Also versucht der Bär alles mögliche, um das kleine Wesen davon zu überzeugen, dass er nicht seine Mama sein kann. Vor allem weil er sich ziemlich sicher ist, dass kleine Bären nicht so aussehen, die haben keinen Schnabel und keine Federn, glaubt er zumindest. Doch egal was er auch anstellt, das kleine Tier schafft es mitzuhalten und als es schließlich sogar noch mit einer List einen Lachs fängt und den Fuchs niederschlägt, da ist auch der Bär überzeugt, dass dieses kleine Tier sein Kind sein könnte.
Liebevoll illustriert und mit viel Witz macht diese Geschichte nicht nur Kindern Spaß, ich finde sie ebenfalls äußerst amüsant.
Beate Laufer-Johannes
Die
sechsjährige Grace hat's wirklich nicht leicht: Da in ihrer Klasse
gleich vier Mädchen denselben Vornamen haben, wird sie von der Lehrerin
kurzerhand "einfach nur Grace" genannt. Außerdem wird sie
auf ihrer eigenen Geburtstagsfeier durch einen blöden Zufall nicht
die Assistentin des eigens engagierten Zauberers Mister Magic. Zu allem
Überfluss muss sie bei der Schulaufführung ein dämliches
Baumkostüm tragen. Die Missgeschicke des Alltags machen ihr also ganz
schön zu schaffen. Doch Grace ist pfiffig und weiß, wie sie gegen
die schlechte Laune ankämpfen kann: Sie zeichnet kleine Comicabenteuer
und versucht andere aufzuheitern. Dass dieser Aufheiterungsversuch bei der
Nachbarin Miss Luther so gründlich schiefgehen wird, konnte ja niemand
vorhersehen.
Ein witziges, aufgewecktes Mädchen ist Grace und was sie über ihren nicht ganz so alltäglichen Alltag und seine Bewältigung zu erzählen weiß, macht auch Erwachsenen sehr viel Spaß.
Beate Laufer-Johannes
Mit
gemischten Gefühlen sieht Mibs ihrem dreizehnten Geburtstag entgegen,
denn dann wird sie endlich erfahren, was denn ihr "Schimmer" sein
wird. Das könnte auch schiefgehen, denn man muss erst lernen, diese
besondere Gabe zu beherrschen: Als ihr Bruder Fish letztes Jahr dreizehn
wurde, entfachte er einen Wirbelsturm und die ganze Familie musste ein neues
Zuhause in der Mitte von Nirgendwo suchen. Ihre ganzen Hoffnungen auf einen
schönen Geburtstag schwinden, als Mibs' Vater einen Tag vorher schwer
verunglückt. Sie pfeift auf die für sie organisierte Feier und
macht sich auf ungewöhnlichen Wegen auf zu ihm ins Krankenhaus. Dabei
helfen ihr mehr oder weniger freiwillig ein stotternder Bibelverkäufer
mit einem rosa Bus, eine zickige Erzfeindin, der nette Will und ihr wirbelstürmender
Bruder Fish. Auf dieser Reise entdeckt sie, dass sie selbst ohne Schimmer
vielen Menschen etwas bedeutet - aber in manchen Lebenslagen nutzt ihr nur
der Schimmer.
Mit viel Herz und Liebe für die ungewöhnlichen Personen gelingt der Autorin, uns auch ohne Hochspannung ins Geschehen reinzuziehen. Denn der Schimmer ist Segen und Fluch zugleich und die sympathische Heldin wird mit ihm ein Stück erwachsen.
Gerti Greil
Sofia,
Bruno und Emily haben wirklich die schrecklichsten Mütter der Welt:
Sofia kann es ihrer nie recht machen, Bruno muss Klavier spielen, dabei
würde er doch viel lieber boxen, und Emily muss ihrer chaotischen Mutter
immer aus der Klemme helfen. Daher nehmen alle drei Kinder an einem Schreckliche-Mütter-Wettbewerb
im Internet teil. Als die Mütter plötzlich verschwinden und nette
Tanten auftauchen, die ihnen jeden Wunsch erfüllen, ist es zunächst
wie der Himmel auf Erden. Doch die Tanten weisen allmählich immer merkwürdigere
Fehlfunktionen auf. Die Kinder kommen einem geheimen Plan auf die Spur und
machen sich gemeinsam auf, um ihre Mütter zurückzuholen.
Träumt nicht jedes Kind einmal davon, seine Mutter in eine Besserungsanstalt zu stecken? Und von jemandem versorgt zu werden, der einen alles, aber auch wirklich alles tun lässt, was man will? Dieser gelebte Traum hat durchaus seine Tücken, und das zeigt uns dieses absolut amüsante Kinderbuch.... das auch für Mutter geeignet ist. Ich habe es jedenfalls mit großem Vergnügen gelesen und mich manchmal selber ein bisschen ertappt gefühlt.
Beate Laufer-Johannes
Frederic
kommt an eine neue Schule, das Elite-Gymnasium St. Isaac. Dort wimmelt es
nur so von ideenlosen Musterschülern und Frederic wird schnell zum
Außenseiter. Nur Änna, ein zartes, schüchternes Mädchen
hält zu ihm. Gemeinsam entdecken sie das grausame Geheimnis des Direktors
und versuchen, die Kinder vor seinen wahnwitzigen Plänen zu schützen.
Ein sehr phantasiereiches Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend geschrieben ist. Am Ende gibt es noch eine witzige Überraschung, mit der niemand gerechnet hätte. Sehr empfehlenswert!
Ute Beucher
Der
fünfzehnjährige Dennis lebt mit seiner Mutter in einer Hochhaussiedlung
und fühlt sich nirgends zugehörig. Seine Mutter ist zu perfekt,
sein bester Freund Christoph macht sich zunehmend verletzend über ihn
lustig und seiner Mitschülerin Lara traut er sich nicht zu zeigen,
dass er in sie verliebt ist. Die Gedanken, die er in der Schule äußert,
scheint niemand mit ihm zu teilen. Kein Wunder, dass er sich in der Welt
der Computerspiele als Held wohl fühlt. Allerdings betätigt er
sich auch in der Realität als Wohltäter: Er beobachtet das Leben
der Nachbarn aus dem Hochhausturm gegenüber und mischt sich ein, wenn
er das Gefühl hat, dass was schiefläuft. Dann schreibt er anonym
aufmunternde Briefe, um sie positiv zu beeinflussen. Eines Tages entdeckt
er bei seinen voyeuristischen Ausflügen etwas äußerst Beunruhigendes.
Eine schier unglaubliche Geschichte erzählt der Autor in einer Sprache, die mich sehr berührt hat. Man schlüpft als Leser förmlich hinein in die Haut des Jungen und folgt seinen Irrungen und Wirrungen atemlos. Ein starkes Stück Jugendliteratur!
Beate Laufer-Johannes
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Für Schöngeister und Literaten
Der
Autor entführt den Leser in das skurrile Doppelleben des Trickbetrügers
Eddy Stein, der ein unauffälliges Kleinbürgerdasein in Berlin-Kreuzberg
lebt. Er finanziert sich sein Leben einerseits als Musiker und ansonsten
dadurch, dass er hauptsächlich Touristen mit ausgefeilten Tricks um
ihr Geld bringt. Dass eines Tages der dubiose Millionär und derzeitige
Schlagzeilenverursacher Horst König ausgerechnet in seinem Haus buchstäblich
vor Eddys Füßen sein Dasein aushaucht, bringt den armen Eddy
in arge Bedrängnis. Denn was er am allerwenigsten brauchen kann, ist
die Aufmerksamkeit der Polizei oder Presse. Also wohin mit der Leiche?
Mit einer turbulenten Handlung führt der Autor den Leser von einem bizarren Geschehen zum nächsten, wie auf einer Achterbahnfahrt. Schillernde Typen werden überzeugend charakterisiert und das alles vor der Kulisse des heutigen Berlin. Vermutlich wird der Leser nach dieser kurzweiligen und amüsanten Lektüre spontane Bekanntschaften in einer Großstadt etwas zurückhaltender und vorsichtiger angehen.
Gunther vom Dorp
Bennos
Leben als Teil des kongenialen Gitarrenduos Tanner und Krantz lief bisher
wie vom Autopilot gesteuert. Erst als Christine in ihr Leben tritt, mit
beiden gleichzeitig flirtet und von beiden gleichermaßen geliebt wird,
muss sich Benno zwischen Liebe und Freundschaft entscheiden. Er überlässt
seinem Partner Daniel durch seine Flucht nach Amerika das Feld und die geliebte
Frau. Nach anfänglicher Befreiung führt ihn diese Flucht aber
in ein desillusioniertes Leben zwischen abgehobener Musik, Frust und Alkoholkonsum.
Erst als nach vierzehn Jahren Daniel unvermutet in Nashville auftaucht und
ihm die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht, beginnt Benno ein
neues "trockenes" Leben als Besitzer einer Espresso-Bar. Zwei
Jahre währt diese unbehelligte Stille, bis eines Tages Christine und
Daniel justament über dem Laden einziehen. Plötzlich ist die Vergangenheit
mit all ihren Zweifeln und verpassten Chancen wieder präsent und schafft
ein prickelndes Spannungsfeld zwischen der wiedererwachenden Liebe und der
Loyalität zu dem Freund, der ihn aus dem Sumpf zurückgeholt hat.
Thommie Bayer erzählt uns in mehreren Zeitebenen die liebenswerte Geschichte des hilf- und glücklosen Benno. Gekonnt schafft er es mit grandiosen Bildern, die Gefühlswelt und die musikalischen Empfindungen des talentierten Musikers vor unseren Augen entstehen zu lassen. Manchmal möchte man als Leser diesen sympathischen, aber im zwischenmenschlichen Bereich so unbeholfenen Benno schütteln und zurufen "Mensch, jetzt mach doch mal". Voller Vorfreude auf die nächste Wendung habe ich Seite um Seite verschlungen. Dem Autor gelingt schließlich nach einer komplexen Dreiecksgeschichte eine Entwicklung seiner Hauptfigur und - was bei Bayer nicht selbstverständlich ist - eine gelungene Balance zwischen kitschigem Happy End und offenem Schluss.
Norbert Johannes
Wenn
die kläffenden Hunde nicht gewesen wären, hätte die Queen
den Bücherbus gar nicht entdeckt, der einmal die Woche in einer entlegenen
Ecke des Palasthofes steht. Und wenn sie selbst nicht so höflich erzogen
wäre, hätte sie sich nicht aus lauter Verlegenheit ein Buch ausgeliehen.
Doch damit beginnt sie eine Affäre, die nicht nur den Küchenjungen
Norman die Karriereleiter hinauf befördern, sondern auch ihr eigenes
Leben nachhaltig verändern wird.
Bei einer Tasse Tee habe ich stilecht mit dieser kleinen literarischen Miniatur einen äußerst unterhaltsamen Nachmittag verbracht. Eine wunderbare Liebeserklärung an die subversive Kraft des Lesens!
Beate Laufer-Johannes
Der
Traum vom harmonischen Sommerurlaub einer modernen Familie wird zum Alptraum.
Dabei hatte sich Luisa alles so wunderbar vorgestellt, als sie ein Hausboot
in England buchte, um zusammen mit ihrem langjährigen Lebensgefährten
Daniel und ihren beiden gemeinsamen Kindern Jasper und Lea, sowie Jaspers
Freund Can, zwei wunderbare Ferienwochen auf dem Wasser zu verbringen. Dass
Daniel seine aus einem lange zurückliegenden Seitensprung stammende
Tochter Emma mitnehmen muss bzw. auch möchte, sollte eigentlich kein
Problem darstellen, denn Luisa hat für sich beschlossen, dass sie modern,
tolerant und einfühlsam reagieren will. Aber dass diese Familienkonstallation
so nicht funktioniert, wird schon bald spürbar.
Alle Ereignisse werden aus den wechselnden Perspektiven der verschiedenen Personen erzählt. Dabei erscheinen einzelne Geschehnisse harmlos oder sogar witzig, summieren sich aber am Ende zu einer wirklichen Tragödie. Durch die ver-schiedenen Erzählperspektiven weiß der Leser oft mehr als die handelnden Personen und man möchte teilweise am liebsten den ein oder anderen wach-rütteln und warnen. Ein absolut spannender und packender Roman.
Sybille vom Dorp
Emma,
geschieden, fast fünfzig Jahre alt, erfüllt sich einen Traum und
eröffnet eine kleine Buchhandlung mitten in Mailand. Außergewöhnlich
an Emmas Idee ist, dass sie nur Bücher rund um das Thema Liebe im Sortiment
hat. Ob es gebrochene Herzen zu heilen gibt oder die erste Liebe Schmetterlinge
im Bauch entstehen lässt, Emma hat für alle Begebenheiten die
passende Lektüre. Als plötzlich Emmas Jugendfreund Federico, verheiratet
und mittlerweile ein erfolgreicher Architekt, nach zwanzig Jahren in ihr
Leben platzt, gerät Emma in einen turbulenten Gefühlsstrudel.
Durch einen sehr intensiven Briefwechsel kommen sich die beiden immer näher
und treffen sich dann jedes Jahr in der Bretagne. Bald entsteht mehr und
sie müssen sich entscheiden, ob aus der anfänglichen Affäre
eine Beziehung wird.
Ein unterhaltsamer Roman, der das Thema Liebe gekonnt mit der Geschichte der beiden Hauptfiguren Emma und Federico und amüsanten literarischen Ausflügen in die Welt der Liebesromane verknüpft.
Ute Beucher
Guila,
eine engagierte Ärztin leidet unter der Beziehung zu ihrer Tochter
Mia, die sich immer mehr zurückzieht und die sprachliche Auseinandersetzung
verweigert. Aus Verzweiflung liest die Mutter nun das Tagebuch ihrer Tochter
und muß leider erkennen, daß Mia eine völlig falsche Vorstellung
vom Leben und den Gefühlen ihrer Mutter hat. Sie beginnt ihre Lebensgeschichte
in Briefform für ihre Tochter zu schreiben, um Mia von ihrer Kindheit
und Jugend zu erzählen und auch, um mit sich selbst ins Reine zu kommen.
Dadurch nähern sich Mutter und Tochter wieder einander an und merken,
daß sie doch vieles gemeinsam haben.
Ein sensibler Roman, der sehr behutsam die Probleme zwischen verschiedenen Generationen darstellt und gekonnt von der Perspektive der Mutter zur Perspektive der Tochter wechselt.
Ute Beucher
Oscar
Feldman hat zeit seines Lebens nackte Frauen gemalt. Nicht wenige der Modelle
sind auch in seinem Bett gelandet. Nun ist er seit fünf Jahren tot
und ausgerechnet jetzt tauchen zwei junge Männer auf, die seine Biographie
schreiben wollen. Dazu interviewen sie die drei Frauen in Feldmans Leben:
Seine jahrelange Geliebte Teddy, die ihm zwei Töchter gebar und nicht
einen Cent geerbt hat; seine Frau Abigail, die ihr Leben seiner Karriere
und der Erziehung des autistischen Sohnes gewidmet hat und zeitlebens betrogen
worden ist; und seine Schwester Maxine, selber abstrakte Malerin, mit der
ihn immer eifersüchtige Konkurrenz und ein Geheimnis verband. Als nun
die zwei Biographen die Betroffenen aufsuchen, werden Gefühle aufgewühlt,
die lange gut vergraben waren, und die Frauen suchen Kontakt zueinander.
Natürlich wird ordentlich aufgeräumt mit dem Mythos Feldman. Er hat drei äußerst vitale Frauen zurückgelassen, die bestens ohne ihn durch das Leben gondeln. Oskar war für keine von ihnen die erhoffte Erfüllung und so machen sie sich selbst im Alter noch auf die Suche danach. Ein ironischer, demaskierender Roman mit einem liebevollen Blick auf die Heldinnen!
Gerti Greil
Gill,
verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern muss nach dem Tod
ihrer Tante Rosamund deren Nachlass sortieren. Dabei stößt sie
auf vier besprochene Tonkassetten und die Anweisung, diese einer Frau namens
Imogen zu übergeben. Gill erinnert sich dunkel an die blinde Imogen,
kann sie aber nicht ausfindig machen und beschließt, sich die Kassetten
selbst anzuhören. Darin erzählt Rosamund die Geschichte von Imogen
und ihrer Familie. Anhand von 20 Fotografien, die den Zeitraum von 1941
bis 2006 umspannen, verknüpft sie die verschiedenen Frauenschicksale
und löst das schreckliche Geheimnis um Imogens Blindheit auf.
Dunkle Familiengeheimnisse, verzweifelte Liebe und große Sehnsüchte, die sich durch die Lebensgeschichten von Frauen aus mehreren Generationen ziehen, werden hier sehr spannend erzählt. Die einfühlsame, bildgewaltige Sprache macht dieses Buch besonders lesenswert.
Ute Beucher
Die
amerikanische Yogalehrerin Amanda ist 30 Jahre alt und hat weder die spirituelle
Erleuchtung noch den Mann fürs Leben gefunden. Stattdessen verfasst
sie unterbezahlt Reiseführer und kann sich aus ihrer chaotischen Beziehung
mit dem unbeständigen Fotografen und Globetrotter Matt nicht recht
lösen. Daher kommt ihr das Angebot ihres Verlages gerade recht: Sie
soll nach Indien reisen und vor Ort für ein neues Reiseführer-Programm
recherchieren: Erleuchtung für Anfänger. In Indien trifft sie
nicht nur eine ganze Reihe unterschiedlichster Gurus und deren Anhänger,
sondern stellt überrascht fest, dass sich ihr Leben ganz von alleine
von Grund auf ändern wird.
Vergessen Sie den dämlichen deutschen Titel, er ist nicht nur schlecht gewählt, sondern hat mit dem Inhalt dieses Buches nichts zu tun! „Erleuchtung für Idioten“ heißt die wörtliche Übersetzung des Originaltitels und genau das trifft auch den Kern: Eine amüsante Abrechnung mit all den esoterisch-spirituell angehauchten Westlern, die in fernöstlichen Kulturen ihr Heil suchen, Dabei kann es im Grunde genommen doch so einfach sein, die Erleuchtung zu finden, wenn wir mit uns selbst im Reinen sind.
Beate Laufer-Johannes
Es
liegt ein Fluch über dem amerikanischen Doppelkontinent, der seinen
Ausgangspunkt in der Landung von Kolumbus auf den Westindischen Inseln hatte.
Seither setzte er sich in vielen Ereignissen fort und kulminiert in der
Dominikanischen Republik in der Schreckensherrschaft des grausamen Diktators
Trujillo von 1930 bis 1961. Der Fluch verlässt auch jene nicht, die
das Land verlassen haben. Selbst im gelobten Land USA setzt er sich bis
heute fort, denn sogar als der Diktator längst tot ist, reicht seine
Macht noch dazu aus, jene zu zerstören, die sich vermeintlich gegen
ihn gestellt haben. Das sind die Prämissen für die Geschichte
des Oscar Wao, dessen Mutter aus der geschundenen Republik nach New Jersey
emigrierte.
Science-Fiction und Fantasy-Fan Oscar hat es nicht leicht. Denn aus dem kleinen Jungen, dem die Mädchen und Frauen zu Füssen lagen, ist ein dicker unattraktiver Jugendlicher geworden, an dem das Leben bzw. die Frauen vorbeigehen. Weder auf der Highschool noch auf der Universität erobert er eine seiner Angebeteten. Erst als er nach einem Selbstmordversuch in die Dominikanische Republik, die Heimat seiner Vorfahren, zurückkehrt, lernt er so etwas wie Glück kennen. Auch seine Schwester Lola hat hier schon zu sich selbst gefunden und ist zu einer selbstbewussten Frau herangereift. Aber der lange Arm Trujillos aus dem Jenseits ist auch vierzig Jahre nach dessen Tod noch so stark, dass er Oscar für immer zu zerstören vermag.
Ein durch und durch originelles Buch, bei dem man gleichzeitig verstört ist ob der latenten Gewalt, und dennoch ob der guten Einfälle schenkelklopfend und kopfschüttelnd weiterlesen muss. Sprachlich drückt sich der Panamerikanismus durch ein heilloses mit spanisch durchsetztes Kauderwelsch aus, auch die Metaphern aus der Fantasy-Literatur (schließlich will Oscar ja der zweite Tolkien werden) und die Fußnoten zur Geschichte reichern den Roman zu einem tragikomischen Meisterwerk an. Ein starkes Stück!
Gerti Greil
Ende
des 17. Jahrhunderts wächst Anne auf der Reisplantage ihres Vaters
in South Carolina auf. Als sie verheiratet werden soll, flieht sie zunächst
mit dem Piraten James Bonny, der sich allerdings nach kurzer Zeit als Mitgiftjäger
entpuppt. Um ihm zu entkommen, heuert Anne als Mann verkleidet auf dem Piratenschiff
von Kapitän Calico Jack Rackham an und verliebt sich unsterblich in
ihn. Nach kurzer Zeit avanciert sie zu seiner Vertrauensperson und versucht,
blutige Übergriffe auf Handelsschiffe zu vermeiden und stattdessen
mit List und Tücke die Schiffe zu kapern. Dadurch gewinnt sie einen
legendären Ruf als Kapitän Bonny. Erst als Piratenfänger
sie mit der gesamten Mannschaft gefangennehmen, endet ihre Karriere als
Piratin.
Ein historischer Schmöker für lange Herbst- und Winterabende, der die Blütezeit der Piraten aus weiblicher Perspektive zeigt. Eine kurzweilige, fesselnde Lebensgeschichte einer Frau mit mutigen Entscheidungen und dem Willen zur Freiheit, die ihr Leben selbstbewusst gelebt hat.
Ute Beucher
Der
Mittdreißiger Jonas hat sich sein Leben bequem eingerichtet: Seine
Arbeit als Werbetexter fordert ihn nicht besonders, und seine Ehe mit Helen
und den beiden Kindern läuft in eingefahrenen Bahnen. Für Abwechslung
und den sexuellen Kick sorgt die heimliche Liebesbeziehung mit Marie. Im
Park begegnet ihm eines Tages ein etwas heruntergekommener Mann, der Jonas
und seine Verhältnisse sehr genau kennt. Dieser Mann unterbreitet ihm
ein ungewöhnliches Angebot, die Erfüllung dreier Wünsche.
Nach längerem Zögern willigt Jonas ein, vor allem, um diesen merkwürdigen
Fremden wieder loszuwerden. Jonas hat jedoch keine Ahnung, auf was er sich
da einlässt, weiß er doch gar nicht, was seine eigentlichen Wünsche
überhaupt sind.
Glavinic bringt gekonnt die dunklen Abgründe in seinen Figuren ans Licht, die geheimen, unbewußten Ängste und Wünsche. Der Roman entwickelt einen unglaublichen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte.
Dass sein Protagonist Jonas heißt und auf geheimnisvolle Weise bereits in seinem früheren Buch "Die Arbeit der Nacht" auftaucht, dort allerdings mit einem anderen Leben, lässt hoffen, dass wir von diesem Jonas und seinem Leben in Paralleluniversen noch mal etwas zu lesen bekommen. Falls ich drei Wünsche frei hätte, wäre dies auf jeden Fall einer davon!
Beate Laufer-Johannes
Eugene
"Blue Gene" Mapother hat seiner reichen Familie vor Jahren den
Rücken gekehrt. Er verzichtete demonstrativ auf sein Erbe, hat sich
eine Vokuhila-Frisur wachsen lassen, trägt FlipFlops, lebt in einem
Trailerpark, liebt Wrestling und verdient sich ein bißchen Geld auf
dem Flohmarkt, ist also der klassische Vertreter der heruntergekommenen
weißen Mittelklasse. Allerdings benötigt ihn seine mächtige
Familie nach vier Jahren Funkstille dringend, denn Blue Genes Bruder John
will in den amerikanischen Kongress und dazu braucht er auch die Wählerstimmen
der einfachen Leute. Blue Gene ist wie geschaffen dafür, seinem Bruder
mehr Nähe zum Volk zu verschaffen. Er lässt sich widerwillig für
den Wahlkampf einspannen und hat auch Erfolg, doch als er die rebellische
Sängerin Jackie kennenlernt, hinterfragt er zum ersten Mal die politischen
Ziele hinter all den Slogans von Amerikas Größe und Freiheit.
Unterdessen deckt Blue Gene ein altes Familiengeheimnis auf und bringt den
gesamten Clan der Mapothers durcheinander.
Mich erinnerte dieser Roman stark an die Fernsehserien der Siebziger wie Dallas oder Denver-Clan. Eine wunderbare Mischung aus bitterböser Politiksatire und Familiensoap hat Goebel da zu Papier gebracht!
Beate Laufer-Johannes
Was
ist wirklich passiert in dem abgelegenen chinesischen Dörfchen Silberberg
im September 2012? Die unverheiratete Bäuerin Kwok Yung ist mit dem
Fahrrad auf dem Weg ins Dorf und macht auf einem Reisfeld Rast, um etwas
zu trinken. Ein merkwürdiges Geräusch schreckt sie auf, eine silberne
Scheibe scheint am Himmel über ihr zu fliegen, sie wird ohnmächtig.
Als sie wieder zu sich kommt, liegt neben ihr ein Fremder mit ungewöhnlich
gelben Haaren und einer Verletzung am Bein. Sie bringt ihn in ihr Haus,
versorgt seine Wunde, doch während sie Kräuter holt, verschwindet
er spurlos. Es muss ein Ufo gewesen sein, was sie da gesehen hat. Und dieses
Ereignis ruft sofort die Polizei auf den Plan, alle Dorfbewohner werden
eingehend verhört, doch endgültig kann nichts geklärt werden.
Das Rätsel löst sich zumindest teilweise, als Monate später
ein Dankesbrief mitsamt Scheck aus Amerika eintrifft, Kwok Yung hat einen
Amerikaner gerettet, der auf einer Wanderung von einer Schlange gebissen
worden war. Dieser Scheck stellt eine Initialzündung dar, die das Leben
in Silberberg nachhaltig verändern wird.
Nach anfänglichem Stutzen über die ungewöhnliche Form des Romans, der sich aus verschiedenen Akten zusammensetzt, in denen Gesprächsprotokolle, Skizzen und Anlagen munter gemischt sind, habe ich mich schnell fesseln lassen. Der chinesischen Autorin, die in London lebt, ist eine hinreißende Satire gelungen auf das ländliche chinesische Leben, das Einmischen der kommunistischen Parteioberen und den blinden Fortschrittsglauben, der gewachsene Strukturen hinweg fegt!
Beate Laufer-Johannes
Im
August 1988 stürzt nur vier Minuten nach dem Start die Präsidentenmaschine
mit Pakistans Militärdiktator Zia ul-Haq und seinem innersten Stab
an Bord ohne Fremdeinwirkung ab. Der Autor führt uns im Rückblick
in die Zeit, in der sich die Russen gerade aus ihrem erfolglosen Afganistan-Abenteuer
zurückziehen, nachdem die Amerikaner ungeheure Menge von Waffen und
Geld in die Hände von Warlords, Taliban und der pakistanischen Armee
gepumpt haben. In dieser Armee dienen die beiden Offiziersanwärter
Ali Shigri und sein Freund Obaid. Als Obaid eines Tages nicht mehr beim
Morgenappell erscheint und der Luftwaffe plötzlich ein Flugzeug fehlt,
bekommt Ali es mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI zu tun. Obwohl selbst
völlig ahnungslos, wird er verhört, drangsaliert und verprügelt.
Sehr anschaulich schildert Mohammed Hanif die Paranoia des Präsidenten Zia ul-Haq, der sich - ausgehend von einem zufällig gewählten Koran-Zitat - plötzlich wie in einer bösen Vorahnung von allen seinen Untertanen als potentiellen Attentätern bedroht fühlt. In seiner sehr spannenden Story offenbart er verschiedene plausible Optionen für den Absturz. Er lässt uns gleichzeitig erschauern vor dieser ersten Diktatur muslimischer Prägung und zeigt, wie wirklichkeitsfremd Machtmenschen werden können, wenn sie erst einmal den Zugang zu den Menschen auf der Straße verloren haben.
Norbert Johannes
Als
Teenager habe ich den Autor entdeckt und mir immer wieder vom Taschengeld
ein neues Buch mit seinen Kurzgeschichten gekauft. In den Sessel gekuschelt
habe ich die Schönen und Reichen der Cote d’Azur bestaunt und
mich zu fremdartigen Schauplätzen des fernen Ostens entführen
lassen. Vor allem seine pointierten Erzählungen aus den Kolonialgebieten
haben mich fasziniert.
Somerset Maugham beschreibt eindringlich Menschen, die in ein fremdes Land quasi geworfen werden und sich dort zwar bewähren müssen, jedoch meistens fremd bleiben. Oft stehen sie der exotischen Umwelt hilflos gegenüber, bleiben auf der Strecke und scheitern. Wie kein Zweiter schafft es Maugham, dem Leser die exotischsten Schauplätze und Menschen lebendig vor Augen zu führen.
Nach all den Jahren üben diese Geschichten immer noch einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Die neue Leinen-Ausgabe von Diogenes (2 Bände im Schuber) ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für alle literarischen Globetrotter.
Beate Laufer-Johannes
Vierzig
Menschen unterschiedlichen Alters stehen bei Wind und Wetter auf dem Hof
eines britischen Autohändlers, berühren ein neues Auto und nehmen
so an einem bizarren Ausdauerwettbewerb teil: Derjenige gewinnt den Wagen,
der am längsten die Hand darauf hält. Das Wetter, das dauernde
Stehen und die Müdigkeit fordern ihren Tribut und immer mehr scheiden
aus. Anfangs noch eindimensional charakterisiert, werden die Personen vielschichtiger,
ihre Gründe treten immer offener zutage, es entwickelt sich ein ganzes
Kaleidoskop der Gescheiterten der britischen Gesellschaft, zu denen auch
der Autohändler gehört. Mit dem Wettbewerb versucht er nicht nur
ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen, sondern auch sein marodes Autohaus
vor dem Ruin zu retten. Allmählich konzentriert sich die Handlung auf
zwei Hauptfiguren, den gescheiterten, zynischen Tom, der dringend Geld braucht,
und die Politesse Jess, die den Wagen für den Transport ihrer querschnittsgelähmten
Tochter benötigt.
Mir kamen beim Lesen sofort die Dauertanz-Wettbewerbe in den Sinn, bei denen sich zur Zeit der großen Depression im letzten Jahrhundert verzweifelte Paare beim Versuch Geld zu ergattern erniedrigten. Würden Menschen sich heute tatsächlich auf so etwas einlassen? Anthony McCarten hat eine berührende tragikomische Geschichte geschrieben, eine Geschichte von Hoffnungslosigkeit und Armut, Egoismus und Hilfsbereitschaft, eine beeindruckende Studie über das menschliche Verhalten in einer Ausnahmesituation.
Beate Laufer-Johannes
Darius
Kopp ist ein wahrer Held des Alltags, zumindest seiner Meinung nach. Er
ist Repräsentant einer amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke,
zuständig für den Vertrieb in Deutschland, Österreich, der
Schweiz und Osteuropa. Nach der Wende ging es für den Ostdeutschland
geborenen Darius beruflich und auch privat immer bergauf. Doch jetzt leidet
die Branche unter schlechter Zahlungsmoral und Auftragsrückgang. Darius
aber leidet hauptsächlich unter seinem Führerscheinentzug und
negiert alle negativen Anzeichen, die zeigen, dass sich sein berufliches
Dasein unwiderruflich ändern wird. Ein alltags-untauglicher IT-Mann
ist dieser Darius, hält große Reden, ist aber bereits bei Termineinhaltungen
überfordert und müllt sein Büro immer mehr zu. Wichtig fühlt
er sich nur, wenn er mit Handy und Laptop hantieren kann und damit an die
große weite Welt angeschlossen ist.
Sprachlich anspruchsvoll wechselt Terézia Mora die Perspektive, oft sogar mitten im Satz. Man kommt dadurch dem Protagonisten ungewohnt nah. Atemlos folgt man Darius durch eine Woche in seinem Leben, spürt jeden einzelnen Gedanken, jede Unsicherheit, jede Verdrängung der Realität.
Beate Laufer-Johannes
Cassandra
hat große Teile ihres Lebens bei ihrer Großmutter Nell gelebt,
ohne von ihrem dunkelsten Geheimnis zu wissen: Sie war nicht die, die sie
vorgab zu sein. Nun ist sie tot, und Cassandra erbt außer ihrem Haus
in Brisbane auch noch ein Cottage an der Küste von Cornwall. Was es
damit auf sich hat und dass es mit dem kleinen Koffer, dessen Inhalt sie
schon als Kind gefesselt hat, zusammenhängt, findet sie erst allmählich
raus. Wie kam das Märchenbuch aus eben diesem Koffer nach Australien
und welche Rolle spielte die Autorin im Leben der Großmutter? Sie
fliegt nach Cornwall und entflieht dabei auch der eigenen traurigen Vergangenheit.
Nach und nach entdeckt sie, dass ein unheilvoller Pakt zweier ungleicher
Cousinen vor hundert Jahren das Los der folgenden Generationen bestimmt
hat.
Frauen aus vier Generationen machen sich abwechselnd auf die Suche nach ihrer Herkunft. Dabei weiß man manchmal ein bisschen mehr als die Heldin und manchmal weniger. Spannend bis zum Schluss!
Gerti Greil
Der
liebe Gott braucht dringend eine Auszeit, er ist überarbeitet, gereizt,
leicht depressiv und hat sogar schon seinen Himmel in ein düsteres
verlassenes Kloster nach Bulgarien verlegt. Aber wer soll ihn in seinem
Urlaub vertreten? Der heilige Petrus und der Erzengel Gabriel lehnen das
Angebot dankend ab und machen sich auf die Suche nach einem würdigen
Vertreter unter den Menschenkindern. Alle eintreffenden Gebete werden gezielt
durchsucht und schließlich einigt man sich auf den finnischen Kranführer
Birger Ryynänen, genannt Pirjeri. Gott zieht frohgemut von dannen,
doch Pirjeri hat seine ganz eigenen Vorstellungen von der Arbeit Gottes...
Der Humor des finnischen Kultautors ist schon ein ganz besonderer, seit seinem "wunderbaren Massenselbstmord" bin ich ein absoluter Fan von ihm. Und auch in seinem neuesten Roman geizt er nicht mit schwarzem Humor, aberwitzigen Ideen und einer eigenwilligen Geschichte, die mich sehr amüsiert hat.
Beate Laufer-Johannes
Nur
eine einzige wunderbare Nacht ist der achtzehnjährigen Sofia, einzige
Tochter des neapolitanischen Reeders Archangelo Mazone, mit Stefano Pasqualini
vergönnt, bevor sie standesgemäss mit Sandro Orlandi verheiratet
wird. Ihr geliebter Stefano verlässt Italien, um in Deutschland sein
Glück als Baumeister zu versuchen. In einem kleinen schwäbischen
Städtchen lernt er die spröde aber temperamentvolle Anna kennen
und lieben und gründet eine Familie mit ihr. Bei einem Sturz von einem
Kirchturm kommt er ums Leben und hinterläßt eine Frau und drei
Kinder in Deutschland, und ohne sein Wissen einen Sohn in Italien. Von nun
an berühren sich immer wieder kurz die Leben und Schicksale beider
Familien vor dem Hintergrund des unruhigen und kriegsgeschüttelten
Europa, bis es in der dritten Generation zu einem wunderbar harmonischen
Ende im Zeichen der neu gegründeten Europäischen Union kommt.
Anrührend, spannend, manchmal tragisch und tränenreich - ein wunderbar unter-haltsamer Roman nicht nur für Sparks- und Pilcher-Freunde. Eine Geschichte zum hineinträumen und mitleiden, die den Leser in ihren Bann schlagen wird.
Sybille vom Dorp
Das
erste Zusammentreffen der Gärtnerin Caroline und des Werbefachmanns
Gregor steht unter einem denkbar schlechten Stern: Carolines Farne wurden
ruiniert, als sie diese Gregors Firma für eine Präsentation geliehen
hat. Bald hat sie jedoch viel größere Probleme, denn ihre tot
geglaubte Mutter hat sich bei ihr gemeldet und kurz darauf ruiniert ein
Sturm ihr Glashaus. Eigentlich hat Caroline also nichts mehr zu verlieren
und macht sich kurzerhand auf nach Frankreich, um ihre Mutter zu suchen.
Auch Gregors Leben dreht sich um 180 Grad, als er seinen Job hinschmeißt
und sich ebenfalls auf die Reise begibt, um dem Wunsch seines verstorbenen
Patenonkels nach einer Seebestattung nachzukommen. Unter äußerst
ungewöhnlichen Umständen treffen Caroline und Gregor immer wieder
aufeinander, lernen ihre eigenen Wurzeln kennen und kommen sich so allmählich
näher.
Eine sehr sympathische Liebesgeschichte zweier Beziehungsunfähiger, ein Roman mit Tiefgang, bei dem mir vor allem der Wechsel der Perspektiven zwischen Carolines und Gregors Sicht sehr gut gefallen hat.
Beate Laufer-Johannes
Shanghai
in den dreißiger Jahren: Pearl und May, Schwestern aus wohlsituierten
Verhältnissen, müssen zu ihrem Schrecken eines Tages erfahren,
dass ihr Vater sein gesamtes Vermögen verloren hat. Und nicht nur das,
er hat für die jungen Frauen Ehen mit Exil-Chinesen in Amerika arrangiert.
Von heute auf morgen werden beide aus ihrem gewohnten Leben herausgerissen,
denn bevor sie das Schiff nach Hongkong besteigen können, erfolgt der
kriegerische Angriff der Japaner auf Shanghai. Auf der Flucht mit ihrer
Mutter werden sie von japanischen Soldaten grausam vergewaltigt. Die Mutter
stirbt an den Folgen, die Mädchen überleben und erreichen tatsächlich
Amerika. Doch das gelobte Land stellt sich als Enttäuschung heraus.
Was Lisa See hervorragend beherrscht, ist die Vermittlung der Stimmung und Kultur im Shanghai der dreißiger Jahre. Sie zeigt die Entwurzelung zweier junger Mädchen, aber auch den Fatalismus, mit dem sich die Chinesen in ihr Schicksal fügen, und den ungebrochenen Willen, ihr Leben zu meistern. Beeindruckend!
Sybille vom Dorp
Der
zwölfjährige Ren lebt seit Säuglingstagen in einem kirchlichen
Waisenhaus in Neu England. Bereits als er abgegeben wurde, fehlte ihm die
linke Hand. Wer seine Eltern sind oder woher er kommt, weiß er nicht.
Sein Schicksal scheint sich zu wenden, als ein junger Mann auftaucht, der
behauptet sein Bruder zu sein, und ihn mitnimmt. Benjamin Nab benötigt
ihn jedoch nur, um bei seinen Gaunereien das Mitleid der Leute zu wecken.
Ren findet schnell Gefallen an diesem freien Vagabundenleben und schließt
mit vielen sonderbaren Menschen Freundschaft. In der Küstenstadt North
Umbrage nimmt seine Geschichte eine unverhoffte Wendung: Ren findet heraus,
dass Benjamin mehr über seine Herkunft weiß.
Die Autorin schildert das Leben im 19. Jahrhundert derart plastisch, dass der Leser es förmlich riechen kann. Für alle Freunde farbenprächtiger historischer Romane ist diese Abenteuersaga genau richtig: Von bigotten Mönchen, über barmherzige Schwestern, gewiefte Trickdiebe, Bettler und Leichenräuber bis hin zum hartherzigen ausbeuterischen Fabrikbesitzer reicht das Personal und scheint direkt aus einem Dickens-Roman entlehnt zu sein.
Beate Laufer-Johannes
Der
nahe Osten im Jahr 2024: Israel ist quasi nur noch ein Stadtstaat mit Tel
Aviv als Zentrum, umzingelt von einer feindlichen Umgebung. Viele, vor allem
junge Leute haben das Land verlassen, die Alten, darunter Bram Mannheim
sind geblieben. Vor Jahren war er erfolgreicher Hochschulprofessor in Princeton
und lebte glücklich mit Frau und Sohn, als die Katastrophe über
ihn hereinbrach. Sein vierjähriger Junge verschwand spurlos, Brams
Ehe, ja sein ganzes Leben scheiterte. Jetzt betreibt er eine Agentur, die
Eltern hilft, ihre verschwundenen Kinder zu suchen. Als sich ein Raketenangriff
auf einen Kontrollposten als Selbstmordanschlag herausstellt, kommt Bram
einem ungeheuerlichen Plan auf die Spur.
Im Mittelpunkt steht die persönliche Tragödie Mannheims, doch der Roman geht weit darüber hinaus. Wie könnte es mit Israel weitergehen, wenn die andauernde Spirale der Gewalt nicht durchbrochen wird? De Winter zeichnet ein beängstigendes Zukunftszenario, das gar nicht mal so weit weg scheint.
Beate Laufer-Johannes
Edgar
Sawtelle lebt mit seinen Eltern im tiefen ländlichen Wisconsin. Seit
Generationen züchtet seine Familie eine besondere Art von Hunden, die
die guten Eigenschaften aller Rassen in sich vereinigt. Edgar selber ist
stumm von Geburt an und kommuniziert sowohl mit Menschen als auch mit Hunden
in der Gebärdensprache. Die friedliche Stimmung auf dem Hof wird eines
Tages jäh durchbrochen, als Edgars Onkel Claude auftaucht. Bald darauf
fliegen zwischen den Brüdern Gar und Claude die Fetzen und Claude verschwindet.
Als wenig später Edgars Vater Gar stirbt, ist der Junge überzeugt,
dass sein Onkel ihn auf dem Gewissen hat, zumal der sich in der Folgezeit
auch noch an seine Mutter Trudy heranmacht. Er teilt sich aber niemandem
mit und seine heimlichen Aggressionen führen zu einem schrecklichen
Unglück. Edgar läuft mit drei Jährlings-Hunden weg und verbringt
den Sommer in der Wildnis. Der Verdacht gegen seinen Onkel lässt ihn
aber nicht mehr los und er muss nach Hause und alles aufklären.
Ein großartiger Roman um Familienbande, Liebe, Schuld und Sühne, und um die Einsamkeit eines Halbwüchsigen trotz aller Zuneigung von Mensch und Hund. Ein Junge-mit-Hund-Buch für erwachsene Leser und Favorit auf mein Buch des Jahres.
Gerti Greil
Wir
befinden uns im Jahr 2057, das komplette Staatswesen ist mutiert zu einer
Gesundheitsdiktatur, Gesundheit ist zur obersten Bürgerpflicht
geworden. Die sogenannte Methode kontrolliert ihre Bürger, zwingt sie
zur Vorsorge, verlangt regelmäßige Schlaf-, Ernährungs-
und Fitnessberichte. Mia Holl ist jung, begabt und unabhängig, hat
das System noch nie hinterfragt, ja sie wohnt sogar in einem Wächterhaus,
dessen Bewohner sich durch die genaueste Befolgung der Vorschriften auszeichnen.
Doch nun gerät sie plötzlich in Konflikt mit dem Staat, als sie
beweisen will, dass ihr Bruder, der sich wegen einer angeblichen Vergewaltigung
umgebracht hat, unschuldig ist. Mia wird zur Staatsfeindin und muss sich
vor einem Schwurgericht verantworten.
Wie weit darf der Staat in seiner Fürsorgepflicht gehen? Wie eigentlich positiv gemeinte gesundheitspolitische Ziele in eine staatlich durchgesetzte Bevormundung des einzelnen münden, das erzählt Juli Zeh sehr distanziert und kühl, und damit um so erschreckender. Nur eine Zukunftsvision? Oder sind wir bereits auf dem besten Weg dorthin?
Beate Laufer-Johannes
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Für Freunde des Nervenkitzels
Sharon Bolton: Das Schlangenhaus
(Manhattan, 19.95 €)
Die
Tierärztin Clara Benning lebt zurückgezogen in einem kleinen englischen
Dorf. Durch eine Narbe im Gesicht von frühester
Kindheit an entstellt, meidet sie den direkten Kontakt mit ihren Nachbarn.
Als ihr Ort eines Tages von einer merkwürdigen Schlangenplage heimgesucht
wird, muss sie als zuständige Expertin handeln. Eine Schlange kann
Clara aus dem Bettchen eines schlafenden Babys herausholen, ohne dass etwas
passiert. Doch in einem weiteren Haus findet sie neben harmlosen einheimischen
Ringelnattern auch eine äußerst gefährliche Giftschlange
aus Asien. Irgend jemand terrorisiert die Dorfbewohner und alles scheint
mit einem alten verlassenen Haus und einer Tragödie, die über
fünfzig Jahre zurückliegt, zusammenzuhängen.
Eine sympathische Protagonistin, eine ungewöhnliche Geschichte und ein Span-nungsaufbau, der den Leser unaufhaltsam in den Bann des Romans zieht und mitfiebern lässt, kurzum: ein großartiger Thriller, nach dessen Lektüre Sie ihre Umgebung unweigerlich nach Schlangen absuchen werden.
Beate Laufer-Johannes
Joy Fielding: Im Koma
(Goldmann, 19.95 €, Hörbuch bei Random House Audio 24.95 €)
Gerade
eben noch hatte Casey Marshall alles, was das Leben lebenswert macht: Einen
wunderbaren, erfolgreichen Ehemann, ein ausgefülltes Berufleben, ein
erhebliches Vermögen und gute Freundinnen, mit denen sie sich zum Mittagessen
getroffen hatte. Von einer Minute zur anderen ändert sich das alles
dramatisch: In der Tiefgarage wird Casey angefahren und schwer verletzt
liegen gelassen, während der Fahrer flüchtet. Nach Wochen des
Komas wacht die junge Frau im Krankenhaus auf, um ensetzt feststellen zu
müssen, dass sie sich weder bewegen noch in irgendeiner Form kommunizieren
kann, aber sie ist in der Lage zu hören. Die Berichte über ihren
Zustand, die sie anhören muss, sind wenig ermutigend. Eines Tages muss
sie erfahren, dass ihr Unfall kein Unfall, sondern ein Mordversuch war -
und nur sie kennt den Mörder! Sie muss mitanhören, dass er zu
Ende bringen will, was ihm beim ersten Mal nicht gelungen ist. Obwohl Casey
feststellt, dass sehr langsam die Funktionen ihres Körpers zurückkehren,
weiß sie, dass sie vermutlich nicht genug Zeit haben wird. Sie braucht
Hilfe- aber wie soll sie sich verständlich machen?
Ein spannender, unterhaltsamer Krimi, nicht allzu blutig, der den Leser nicht so leicht los lässt. Weniger geeignet für den männlichen Leserkreis.
Sybille vom Dorp
Sebastian Fitzek: Splitter
(Droemer, 16.95 €; Hörbuch bei LübbeAudio, 19.95 €)
Marc
Lucas möchte am liebsten seine quälenden Erinnerungen an einen
tragischen Autounfall auslöschen, bei dem durch seine Schuld seine
hochschwangere Frau gestorben ist. Er gerät an ein obskures Psychoinstitut,
das ihm wahre Wunder verspricht, doch von einem Moment auf den anderen gerät
sein ganzes Leben aus dem Gleis. Nicht nur, dass ihn keiner mehr zu kennen
scheint, weder auf der Arbeit noch privat, nein, auch seine tote Frau scheint
plötzlich wieder quicklebendig zu sein. Marc sucht verzweifelt nach
einer Erklärung, als ihm ein Drehbuch seiner Frau in die Hände
fällt, in dem seine Geschichte bis ins Kleinste beschrieben wird...
Obwohl das Thema des Identitätsverlustes in Film und Thrillerliteratur recht beliebt ist, schafft es der Autor, den Leser von der ersten Seite an dermaßen zu fesseln, dass einem die Luft wegbleibt: Ein aufregender Psychothriller vom Allerfeinsten!
Beate Laufer-Johannes
Dick & Felix Francis: Abgebrüht
(Diogenes, 21.90 €)
Der
gute Ruf des jungen Sternekochs Max Moreton ist in Gefahr, gab es doch bei
einem von ihm ausgerichteten Galadiner auf der Rennbahn von Newmarket eine
Lebensmittelvergiftung, an der viele Menschen erkrankten. Für einige
der Betroffenen hat sich das allerdings im nachhinein als Glücksfall
herausgestellt, denn so konnten sie nicht an einem Empfang in der Loge eines
amerikanischen Traktorherstellers teilnehmen. Ein Bombenanschlag kostete
dort viele Menschenleben. Max ist sich keiner Schuld bewusst und versucht
herauszufinden, wer ihm das Gift ins Essen gemischt hat, um seinen Namen
reinzuwaschen. Dabei kommt er dem Täter gefährlich nahe und bringt
sein eigenes Leben in Gefahr.
Ein wunderbarer Thriller aus der Feder des englischen Altmeisters Dick Francis, diesmal mit Unterstützung seines Sohnes Felix. Eine spannende Handlung mit unvorhergesehenen Wendungen, eine sich zart entspinnende Liebesgeschichte, dazu böse Buben, die vor keinerlei Gewalt zurückschrecken, und nicht zuletzt ein überaus sympathischer Held machen dieses Buch zu einem wahren Krimivergnügen.
Beate Laufer-Johannes
Nicci French: Seit er tot ist
(C. Bertelsmann, 19.95 €; Hörbuch bei audio media verlag, 19.95 €)
Eleanor
Falkner führt eine glückliche, vertrauensvolle Ehe. Als ihr Mann
Greg bei einem unerklärlichen Autounfall ums Leben kommt, stirbt auf
dem Beifahrersitz auch eine fremde Frau. Eleanor muss sich damit abfinden,
dass er ein Verhältnis hatte. Die Vorstellung, dass alle Annahmen über
das eigene Leben und die Beziehung zu ihrem Mann falsch sein könnten,
ist alleine schon erschreckend, noch schlimmer jedoch ist das kränkende
Mitleid, mit dem gemeinsame Freunde auf die Situation reagieren. Eleanor
will trotz ihrer Trauer und Zweifel mehr über die vermeintliche Geliebte
ihres Mannes wissen und beginnt ein gefährliches Doppelleben.
Der Roman beginnt als Porträt einer trauernden Frau, die entgegen aller Widerstände nicht aufgibt, und entwickelt sich zum packenden Thriller, in dem die Hauptfigur selbst ins Visier der Polizei gerät.
Beate Laufer-Johannes
Tess Gerritsen: Grabkammer
(Blanvalet, 19.95 €; Hörbuch bei Random House Audio, 24.95 €)
I
m
Keller eines privaten Museums in Boston taucht unerwartet eine Mumie auf,
offensichtlich ägyptisch und damit sehr alt, wie die ersten Untersuchungen
der Leinenbinden zeigen. Der Schock ist um so größer, als sich
bei der Computertomographie herausstellt, dass die Leiche aus der heutigen
Zeit stammt, verfügt sie doch über eine Zahnfüllung und hat
zudem eine Kugel im Bein. Die junge Frau wurde ermordet, und der Täter
hat in ihrer Mundhöhle eine Goldmünze mit einer kryptischen Inschrift
hinterlassen. Bei den polizeilichen Untersuchungen des Museumskellers kommt
es allerdings noch schlimmer, denn ein Schrumpfkopf ist ebenfalls nur wenige
Jahre alt. Als die dritte Tote, präpariert wie eine alte Moorleiche,
im Kofferraum der jungen Archäologin Josephine Pulcillo aufgefunden
wird, gerät sie ins Visier der Ermittlungen.
Ein skrupelloser Täter, bizarre Morde und eine junge Archäologin mit einem tödlichen Geheimnis, das sind die Zutaten dieses aufregenden Thrillers, in dem die Autorin ihr bewährtes Team, die Gerichtsmedizinerin Maura Isles und die Polizistin Jane Rizzoli, auf die Jagd schickt.
Beate Laufer-Johannes
Tanja Heitmann: Wintermond
(Heyne, 19.95 €, Hörbuch bei Random House Audio, 24.95 €)
Sie
leben unter uns in unwirtlichen verlassenen Städten, wo die Menschen
sich kaum auf die Straßen trauen, weil eine instinktive Scheu sie
in ihren Häusern und Wohnungen hält. Nur des Nachts, da wird gefeiert
und die Angst löst sich auf in Leichtsinn und Unbekümmertheit.
Als Meta von der erneuten Untreue ihres Freundes Karl erfährt, stürzt sie sich betrunken ins Nachtleben und verbringt eine erotische Nacht mit einem Unbekannten. Der ist aber scheinbar nicht weiter an ihr interessiert und sie kehrt aus seinem schäbigen Stadtviertel zurück in ihre helle Kunstgalerie-Glitzerwelt, wo magere, perfekte Frauen und wichtigtuerische Männer den Ton angeben. Ihr Liebhaber für eine Nacht aber muss zurück zu seinem Rudel. David wird nämlich von einem Dämonen beherrscht und beherbergt einen Wolf in seinem Inneren. Kann er es trotzdem wagen, Meta zu suchen und den Gesetzen des Wolfsdämons zuwider zu handeln?
Tanja Heitmann führt uns in zwei Welten, die nach demselben Prinzip funktionieren. Denn sowohl in der Schickimicki-Kunsthändlerwelt als im Wolfsrudel gelten die gleichen Gesetze. Dass es Grenzgänger zwischen diesen Welten gibt, ist der Stoff für diesen spannenden Roman!
Gerti Greil
Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt
(C. Bertelsmann, 19.95 €, Hörbuch bei Hörbuch Hamburg, 19.95 €)
Rebecka
Martinson hat die Stelle als Staatsanwältin in Kiruna angenommen. Seit
ihren eigenen früheren Ermittlungen gelangen kaum aufregende Fälle
zur Verhandlung. Bis eines Frühlingstages die Leiche der seit Oktober
vermissten 16-jährigen Wilma auftaucht. Gemeinsam mit ihrem Freund
war sie zu einem Tauchgang aufge-brochen, um ein vor mehr als 60 Jahren
abgestürztes Flugzeug der deutschen Wehrmacht in einem einsamen See
aufzuspüren. Dazu mussten sie ein Loch ins Eis schlagen. Als Wilma
nach erfolgreichem Tauchgang wieder auftauchen wollte, lag eine Holztür
auf dem Loch und jemand hinderte sie daran, diese wegzustoßen. Allerdings
taucht die Leiche in einem Fluss auf, der keinerlei Verbindung zu dem See
hat. Rebecka und die Polizistin Anna-Maria Mella ermitteln von Anfang an
in die richtige Richtung, denn der gewalttätige Clan der Krekulas hat
etwas zu verbergen. Ihre Intuition bringt sie abwechselnd auch bei diesem
Fall in Lebensgefahr.
So muss ein Krimi sein: Fiese Typen, denen kaum beizukommen ist, Ermittler, die alle selber einen Knall haben und Schuldige, die sich jahrzehntelang durchgemogelt haben. Psych(ot)isch dicht führt uns Larsson durch ein Geflecht aus Ängsten und Schuldzuweisungen. Der besondere Kunstgriff, dass das Opfer beobachtend kommentiert und dabei gar nichts zur Auflösung beitragen kann, weil es selber nicht weiß, warum es sterben musste, lässt einen des Öfteren zweifeln, ob dieser Fall zu lösen ist. Vorsicht Suchtgefahr!
Gerti Greil
Charlotte Link: Das andere Kind
(Blanvalet, 24.95 €)
Gwen
Beckett ist das, was man gemeinhin eine alte Jungfer nennt: Sie hat nie
einen Beruf erlernt, kleidet sich altmodisch und lebt mit Mitte Dreißig
allein mit ihrem verwitweten Vater auf einer etwas heruntergekommenen Farm
in Nordengland. Ein bißchen Geld kommt durch Feriengäste ins
Haus, die jedoch nicht allzu zahlreich sind. Zufällig lernt sie den
gutaussehenden Dave Tanner kennen und zur Überraschung aller Verwandten
und Bekannten wollen die beiden bald heiraten. Das Verlobungsessen gerät
zum Desaster, glauben doch alle An-wesenden insgeheim daran, dass Dave nur
an Gwens Besitz interessiert ist. Fiona, eine alte Bekannte von Gwens Vater,
spricht unverblümt aus, was alle denken. Als sie kurz darauf brutal
ermordet aufgefunden wird, gerät nicht nur Dave in den Fokus der polizeilichen
Ermittlungen.
Eine typische Link, wie sie ihre Fans lieben: Undurchsichtige Morde, gut gehütete Familiengeheimnisse, angesiedelt in einer wunderbaren Landschaft. Auch bei die-sem Roman ist man als Leser schnell gefangen genommen und weiß nicht, wem man überhaupt noch trauen kann. Mit Recht!
Beate Laufer-Johannes
Jassy MacKenzie: Todeskälte
(Diana, 19.95 €)
Johannesburg
ist ein gefährliches Pflaster: Wer immer es sich leisten kann, verbarrikadiert
sich hinter hohen Zäunen und Mauern, schützt sich mit Hunden,
Alarmanlagen und privaten Sicher-heitsdiensten. Annette Botha hilft dies
alles nichts, als sie nachts vor ihrem Tor aus nächster Nähe erschossen
wird. Bei der Untersuchung des Falls stellt sich heraus, dass Annette weder
sexuell missbraucht noch bestohlen wurde. David Patel von der Polizei und
die Privatdetektivin Jade de Jong finden heraus, dass es eine ungewöhnliche
Häufung ähnlicher Morde gibt. Immer wieder werden Menschen vor
ihrem Grundstück erschossen, ohne dass ein offensichtliches Motiv vorhanden
ist.
Die Figur einer Privatdetektivin, die eine dunkle Vergangenheit hat und durchaus skrupellos ist, erhöht die Neugier beim Lesen. Ein überaus spannender Thriller, der auf ein furioses Finale hinsteuert!
Beate Laufer-Johannes
Nigel McCrery: Kaltes Gift
(Droemer, 16.95 €)
Bei
einem Verkehrsunfall wird zufällig die stark verweste Leiche der alten
Violet Chambers an die Erdoberfläche befördert. Überprüfungen
zeigen jedoch, dass die Tote für die Öffentlichkeit anscheinend
immer noch quicklebendig ist, sie bezahlt Steuern, kassiert Mieteinnahmen
und schreibt Postkarten an ehemalige Nachbarn. Nur, gesehen hat sie seit
Jahren niemand mehr. DCI Marc Lapslie wird zusammen mit seiner Assistentin
Emma Bradbury auf den Fall angesetzt. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch
schwierig, auch wegen Lapslies Synästesie. Geräusche und Stimmen
nimmt er als intensiven Geschmack wahr, was ihn immer wieder aus der Bahn
wirft. Doch der Täter ist noch lange nicht fertig, sondern hat längst
das nächste Opfer ins Visier genommen.
Eine boshafte Geschichte, eine gestörte Mörderin, ein außergewöhnlicher Polizist und ein Umfeld, das an Agatha-Christie-Krimis erinnert, kurzum: ein bizarrer Krimi in bester Tradition, der den Leser schaudern lässt. Very british!
Beate Laufer-Johannes
Val McDermid: Nacht unter Tag
(Droemer, 19.95 €, Hörbuch bei Argon, 19.95 €)
Als
erst zwanzig Jahre nach seinem Verschwinden von seiner Tochter eine Vermisstenanzeige
für Mick Prentice aufgegeben wird, stochert Di Karen Pirie eher aus
persönlichem Interesse denn auf höhere Anweisung in dem Fall herum.
Schließlich soll der Abgängige damals während des großen
Bergarbeiterstreiks als Streikbrecher das Dorf verlassen haben und mit gelegentlichen
Geldsendungen die Familie unterstützt haben, was bedeutet, dass dies
keineswegs ein Fall für die Cold-Case-Spezialistin ist. Allerdings
ist er auch nicht auffindbar, und keiner hat ihn seither wirklich gesehen.
Offiziell wird Karen zu einem alten Entführungsfall hinzugezogen. Auf Wunsch eines schottischen Magnaten soll der Verbleib des vor Jahren entführten Enkels ermittelt werden. Auf die Spur brachte ihn die ehrgeizige Journalistin Isabel, die leider nur allzu gern ihr eigenes Süppchen kocht und sich von altem Reichtum korrumpieren lässt…
Mit ihrem neuen Buch hat Val McDermid ihrer schottischen Heimat ein Denkmal gesetzt und gibt uns einen zeitgeschichtlichen Einblick in die Mitte der 80er Jahre, als die britischen Gewerkschaften sich mit dem Ausstand der Bergarbeiter noch einmal aufbäumten. Es gelingt ihr äußerst trickreich, die beiden Fälle miteinander zu verknüpfen - was sich der erfahrene Krimileser sowieso schon dachte. Allerdings gibt es als Überraschung noch ein paar unerwartete Tote.
Gerti Greil
Hakan Nesser: Das zweite Leben des Herrn Roos
(btb, 21.95 €)
Der
59jährige Ante Valdemar Roos ist in zweiter Ehe mit der herrischen
Alice verheiratet, wird von den Stieftöchtern finanziell ausgenommen
und ist unzufrieden in seinem Job. Dieses langweilige vorhersehbare Leben
wird urplötzlich unterbrochen, als er im Toto eine größere
Summe gewinnt. Ohne seiner Familie etwas davon zu sagen, kündigt er
seine Arbeit und kauft sich eine einsame Kate im Wald. Dort begegnet ihm
die junge Anna, ausgerissen aus einem Heim für junge Drogenabhängige
und auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund. Die beiden unterschiedlichen
Charaktere freunden sich nach vorsichtigem Abtasten an, und Herr Roos gewährt
ihr Zuflucht in seinem Häuschen. Aber Annas Aufenthaltsort bleibt nicht
geheim, bald bekommt sie ungebetenen Besuch, und Kommissar Barbarotti findet
eine Leiche im Wald.
Wer hat nicht schon einmal in seinem Leben davon geträumt, neu anzufangen, ohne den ganzen alten Ballast? Meine ganze Sympathie gilt Herrn Roos, der ein einziges Mal in seinem Leben ausbricht und nur das tut, was er selbst will. Hakan Nesser beschreibt dies so einfühlsam und dicht, dass das Kriminalgeschehen in den Hintergrund rückt. Der Ermittler betritt sehr spät die Bühne des Geschehens, aber das tut der Spannung des Romans keinen Abbruch. Unbedingt lesen!
Beate Laufer-Johannes
Louise Penny: Der grausame Monat
(Limes, 19.95 €)
Eigentlich
war es nur eine Schnapsidee, um sich die Zeit zu vertreiben, denn wann hat
man schon mal die Gelegenheit mit einem echten Medium an einer Séance
teilzunehmen. Für Madeleine Favreau wurde daraus bitterer Ernst, denn
sie stirbt währenddessen an Herzversagen. Inspektor Gamache stellt
schnell fest, dass jemand bei ihrem Tod gründlich nachgeholfen hat.
Doch wo liegt das Motiv? Madeleine war allseits beliebt und hat seit ihrem
Einzug bei ihrer alten Schulfreundin Hazel die Herzen der Dorfbewohner im
Sturm erobert. Noch während Gamache versucht, hinter die malerischen
Fassaden zu schauen, wird in der Presse eine üble Hetzkampagne gegen
ihn persönlich losgetreten, mit Verleumdungen, die vor seiner eigenen
Familie nicht haltmachen.
Die schrulligen Bewohner von Three Pines, ihr nettes, idyllisches Örtchen, der sympathische Inspektor Gamache und sein äußerst eigenwilliges Ermittlungsteam, das sind die Zutaten, aus denen Louise Penny ihre wunderbaren Kriminalromane strickt. Und glauben Sie mir: Gäbe es dieses Dorf wirklich, ich würde glatt die dortige Buchhandlung übernehmen!
Beate Laufer-Johannes
Ulrich Ritzel: Beifang
(btb, 19.95 €)
E
ine
junge Frau wird mit einem Handkantenschlag ermordet und der vermeintliche
Täter ist schnell gefunden: Der Ehemann war nicht nur notorisch eifersüchtig,
sondern besitzt als Bundeswehroffizier dank seiner Nahkampfausbildung auch
die Fähigkeit auf diese Art zu töten. Sein Verteidiger glaubt
an seine immer wieder beteuerte Unschuld und engagiert den ehemaligen Kriminalbeamten
Hans Berndorf für private Ermittlungen. Als dieser eintrifft, ist der
Anwalt ebenfalls tot, überrollt von einem Güterzug im Bahnhof.
Unglück, Selbstmord oder Mord? Berndorf lässt nicht locker und
löst allmählich Knoten um Knoten eines Knäuels von fatalen
Beziehungen, in die das Opfer, hohe Staatsbeamte und auch der ermittelnde
Richter verstrickt sind.
Was mich bei Ritzel so fasziniert, ist die komplexe Verknüpfung von kriminalistischen Fällen der Gegenwart mit der Vergangenheit. Ritzel lässt eine Zeit wieder aufleben, die in der idyllischen Provinz gerne verdrängt wird. Herausgekommen ist ein unglaublich spannender Krimi mit viel Einblick in das vermeintlich friedliche ländliche Schwaben.
Beate Laufer-Johannes
Michael Robotham: Dein Wille geschehe
(Goldmann, 19.95 €)
Im strömenden Regen steht eine nackte
Frau am Rand der berühmten Clifton Suspension Bridge in Bristol, das
Wort Hure auf den Bauch gemalt, ein Handy am Ohr. Auch der herbeigerufene
Psychologieprofessor Joe O’Loughlin kann sie nicht retten, ohne auf
seine Worte zu hören springt sie wie ferngesteuert in den Tod. F
ür
Joe ist der Vorfall ein einziges Rätsel, die Polizei dagegen ist sicher,
dass die Frau Selbstmord begangen hat. Einige Tage später wird ihre
Geschäftspartnerin erfroren aufgefunden, nackt, an einen Baum gefesselt,
ebenfalls ein Handy zu ihren Füßen. Langsam kristallisiert sich
für Joe die Gewissheit heraus, dass hier ein Mörder auf äußerst
manipulative Weise am Werk ist. Behindert durch seine Parkinson-Erkrankung
versucht Joe trotzdem, zusammen mit dem pensionierten Detective Ruiz dem
Mörder auf die Spur zu kommen. Dabei gerät er mit seiner Familie
ins Fadenkreuz des Täters.
Der Autor hat sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Figuren genommen und das Profil des Täters ist psychologisch ausgefeilt. Auf verstörende Art und Weise wird gezeigt, wie beeinflussbar der Mensch durch die bloße Macht der Worte ist: Ein fesselnder Psychothriller im wahrsten Sinn des Wortes.
Beate Laufer-Johannes
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Für Genießer, Sachbuchliebhaber und Lebenskünstler
Heike Faller: Wie ich einmal versuchte, reich zu werden
(DVA, 19.95 €)
Die
Journalistin Heike Faller hat finanziell keine Probleme. Sie hat einen gutdotierten
Job und einige Rücklagen, die auf der Bank vor sich hin dämmern.
Interesse an einer wie auch immer gearteten Anlage hat sie nicht. Bis sie
bei einer Recherche eines Tages auf zwei Oberpfälzer Sparkassenangestellte
stößt, die sie absolut faszinieren und nicht nur von einer Anlage
in Gold überzeugen, sondern ihr auch den Anstoß geben, ihr Geld
für sich arbeiten zu lassen: In einem Jahr will sie 10000 Euro verdoppeln.
Die Amateurinvestorin stürzt sich mit Vehemenz in die fremde Welt des
Geldes und erliegt schnell ihrer Anziehung. Dass sie dabei genau in das
turbulente Jahr der Finanzkrise gerät, kann niemand vorhersehen.
Heike Faller ist eine äußerst genaue Beobachterin und beschreibt ihre Begegnungen mit Jungtradern, Risikoinvestoren und einem der reichsten Männer der Welt höchst unterhaltsam. Nebenbei erklärt sie die Fachbegriffe der Finanzwelt so, dass man sie auch versteht und in Zukunft sogar mitreden kann. Eine gelungene Mischung!
Beate Laufer-Johannes
Horst Lichter: Alles in Butter! Rezepte zum Glücklichsein
(Mosaik bei Goldmann, 19.95 €)
In seinem neuesten Kochbuch versammelt Horst Lichter seine Lieblingsrezepte, ob von Tante Gerda, Oma Mienchen oder auch von Johann (Welcher Sternekoch ist da wohl gemeint?). Lichter kennt keine Berührungsängste und mischt die Stilarten munter durcheinander, Hauptsache es schmeckt. Gestaltung und Aufbau in unübliche Kapitel wie zum Beispiel "kleine Leckerchen" tragen seine Handschrift. Der originellste deutsche Fernsehkoch spielt gerne mit seinem Image und fügt oft noch extra eine Portion Butter oder Sahne hinzu.

Das Ergebnis: Leckere Rezeptideen, durchaus alltagstauglich und gut geeignet für mehr Abwechslung in deutschen Küchen. Diese Rezepte machen wirklich nicht nur satt, sondern auch glücklich!
Beate Laufer-Johannes
Ingo Petz: Kiwi Paradise
(Droemer, 18.95 €)
Ingo
Petz ist wieder in der großen, weiten Welt unterwegs: Nach dem wilden
Osten Aserbaidschan hat er mit Neuseeland ein absolutes Kontrastprogramm
ausgewählt. Die Kiwis, wie sie sich selbst liebevoll nennen, besitzen
nämlich eine völlig andere Mentalität und pflegen sowohl
ihre sportlichen Aktivitäten als auch ihr entspanntes Verhältnis
zum Leben. Ingo kommt schnell an seine Fitnessgrenzen und erlebt, wie es
sich anfühlt, wenn man sich als typischer Großstädter in
der Wildnis verirrt. Er lernt viele Menschen kennen, sogar Sir Edmund Hillary,
der über einen öffentlich zugänglichen Telefon-bucheintrag
leicht zu finden war, und sich gerne mit ihm zu einer Tasse Tee verabredet
hat.
„Reise in ein verdammt gelassenes Land“ heißt der treffende Untertitel dieses Reiseberichtes der etwas anderen Art. Humorvoll zeigt uns der Autor die deutschen Schwächen auf, eine Anregung, doch öfters mal über den eigenen Schatten zu springen und das Leben nicht ganz so schwer zu nehmen.
Beate Laufer-Johannes
Alfons Schuhbeck: Meine Küche der Gewürze
(Zabert & Sandmann, 24.80 €)
Endlich
ist er da – der neue Schuhbeck! Und er punktet mit einer ausführlichen
Gewürzkunde und einem gut bebilderten warenkundlichen Teil. Schuhbeck
geht sowohl auf Ge-sundheitsaspekte, als auch auf Herkunft und Inhaltsstoffe
ein.
Anspruchsvolle Rezepte und zahlreiche farbige Abbildungen in bewährter Schuhbeckmanier machen dieses Buch zu einem wahren Schmuckstück in jeder Küche!
Gerti Greil und Beate Laufer-Johannes