BücherHaie

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Die BücherHaie waren die Mitglieder des Leseclubs der BücherInsel... Kinder und Jugendliche von 12 bis 18 Jahren hatten sich zusammengeschlossen, um über Bücher zu diskutieren und die neuesten Bestseller aufzuspüren. Außerdem waren sie selbst literarisch aktiv, die Geschichte, die beim letzten Treffen entstanden ist, findet Ihr auf dieser Seite. Leider hat die Umstellung auf G8 in den Gymnasien ihre Opfer gefordert, denn Zeit ist für viele Schüler knapp geworden.


Die BücherHaie wurden daher im Juli 2011 eingestellt. :-(


Die rechte obere Fensterecke

„Alle gute Literatur lügt. Beziehungsweise: Gute Literatur lügt gut, schlechte Literatur lügt schlecht - aber die Unwahrheit sagen beide. Schon der bloße Vorsatz, die Wahrheit in Worte fassen zu wollen, ist eine Lüge.“
Solche und viele andere tiefgründige Thesen von begabten Autoren überdachte Regina in nie endenden Grübelstunden über Literaturphilosophie. Sie lebte in einem Bücherladen, genau genommen in der rechten oberen Ecke eines Fensters in einem Bücherladen. Dort verbrachte sie, umgeben von den Werken der Jahrhunderte, ihre Zeit mit Sinnieren und Lesen. Selbstverständlich war sie sehr belesen und gebildet, doch sie hatte noch eine weitere Seite ihrer Persönlichkeit, der Haken ihres Daseins. Sie war eine hässliche, Ekel erregende, langbeinige Spinne.
„Sind wir Tiere nicht zutiefst missverstanden?“
Reginas Gedanken schweiften ab.
„Man sehe nur das traurige Schicksal der Delphine, dieser wunderschönen Schöpfungen der Natur. Sie hatten sich den Menschen gegenüber intelligent verhalten und werden nun von diesen in den Delphinshows zu lächerlichen Clowns gemacht.“
Bei solchen Gedanken verlor sich Regina oft in dem unendlichen Labyrinth ihrer Phantasie. Sie vergaß ihre jämmerliche Gestalt und das ereignisloses Leben, das sie führte. Zu den schönsten Sparten der Literatur gehörten für Regina die schnulzigsten Liebesromane.
„Gib gut auf mein Herz acht, ich habe es bei dir gelassen."
Bei solchen Sätzen schmolz sie dahin und wünschte, die Plätze von ihr und Bella wären vertauscht. Die überdimensionierten Schinken, in denen Autoren sich einen Spaß daraus machten, den Leser mit tausenden von Seiten zu quälen, waren ihr verhasst.
„Die einzig lesenswerten Autoren sind solche, die sich kurz fassen können, der Rest sind Schwafler."
Musik – eine weitere Leidenschaft Reginas. Selbst ein Instrument zu spielen ist sie nicht in der Lage, doch die Besitzer der Wohnung über ihrem Heim sind es. Wenn mit einem leisen Quietsch- und Klopfgeräusch der Klavierdeckel aufgeklappt wurde und die Klänge von längst verstorbenen Komponisten zu ihr schwebten, war das stets eine Reise in eine ferne und fremde Welt. Die langsamen und doch so wunderschönen Melodien der ersten von Bachs Goldberg-Variationen oder die orchesterähnlich anmutenden Strukturen von Schubert.
Doch letztendlich landete auch sie, wie ihre Vorfahren, auf der Strasse. Mit einem Schrei des Entsetzens aufs Pflaster geworfen. Sie wurde hinausgeschmissen mit nichts, außer drei Dingen, derer sie sich absolut sicher war.
Erstens: Walter Moers ist unerreichbar. Zweitens: sie war froh kein Delphin zu sein. und Drittens: Jakob wäre der bessere Liebhaber für Bella gewesen. Wer küsst schon gerne Stein?
BücherHai Simon