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Gebrannt

Ein Wein-Krimi, Piper Taschenbuch 27424 - Wein-Krimis 3

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783492274241
Sprache: Deutsch
Umfang: 230 S.
Format (T/L/B): 2 x 19 x 12 cm
Einband: kartoniertes Buch

Autorenportrait

Andreas Wagner, geboren 1974 in Mainz, studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Leipzig, wo er auch promovierte. An den Universitäten in Leipzig und Mainz forschte er zu Weinbaugeschichte und Weinbaupolitik und führt als Winzer zusammen mit seinem Bruder das Weingut Wagner in Essenheim bei Mainz, wo er mit seiner Familie lebt. Er ist Mitglied in mehreren Jurys, seine Weine wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Nach 'Herbstblut', 'Abgefüllt', 'Gebrannt' und 'Letzter Abstich' erschien zuletzt der fünfte Krimi um Paul Kendzierski, 'Hochzeitswein'.

Leseprobe

Brand von Oberolm am 23ten August 1857   An diesem Tag des Mittags gleich nach zwei Uhr erhob sich in der Gegend von Oberolm eine Rauchsäule. Man schloß daraus sogleich ein ausgebrochenes Feuer. Es war Sonntag, viele Leute waren in der Kirche, andere in ihren Wohnungen. Es dauerte nicht lange, so kam dann auch schon ein Feuerreiter und bat um Hülfe. Die Rauchsäule war inzwischen zu einer großen Wolke geworden, denn kaum in drei Stunden standen 67 Wohnhäuser, 54 Scheuern, 54 Ställe, 18 größere Nebengebäude (die kleinen Gebaulichkeiten mitgerechnet über 230) in einem Flammenmeer. Ein starker Ostwind trieb dieses Feuer vom einen bis zum anderen Ende des Dorfes. Dieses wütende Element verzehrte aber auch alles bis auf den letzten Keim. Die große segensreiche Erndte war in einem Nu dahin. Selbst der Mist, der noch nicht zu faul war, brannte aus bis auf den Boden. Kein Stückchen Holz, nicht einmal ein Überbleibsel von einer Kelter war sichtbar. Bäume, die in den Höfen standen, sind bis auf den Stamm verzehrt; und sämtliche Asche hat der Wind weithin getrieben; (.) zudem allem war es ein trockener heißer Sommer und Wassermangel. Es wurde Wasser von Essenheim, Niederolm, Kleinwinternheim, Marienborn und Bretzenheim herbeigefahren; es waren sogar drei Spritzen aus Mainz zugegen, aber alles umsonst. Viele Leute haben nichts als ihr Leben gerettet, und nur so viel Kleider, als sie gerade auf dem Leibe trugen. In vielen Kellern sind die Fässer verbrannt und der Wein von der Hitze ganz verzehrt, so dass nichts mehr als die Fassreifen übrig blieben, nicht einmal die Fasslager blieben verschont, ja man hat sogar zusammen geschmolzenes Geld in Kellern gefunden. Kühe sind ungefähr 8-10 Stück verbrannt, wovon die meisten ganz verkohlt waren. Schweine sind es noch viel mehr, denen es so erging; ich habe ein fettes Schwein gesehen, das so verbraten war, dass das Fett im ganzen Stall herumfloß. Gänse, Hühner, Katzen und dgl. sind fast alle verbrannt.(.) Man kann diesen Brand nicht schrecklich genug beschreiben, nein, man muss es selbst gesehen haben, um sich einen richtigen Begriff davon machen zu können.   Aus: Tagebuch von Adam Probst III., Essenheim, begonnen 1855 (Kopie im Besitz von Andreas Wagner)