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Selbstbilder und Fremdbilder

Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel, Eigene und Fremde Welten 1

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593380162
Sprache: Deutsch
Umfang: 415 S., 14 s/w Bilder
Format (T/L/B): 2.5 x 21.3 x 14.2 cm
Auflage: 1. Auflage 2008
Einband: Paperback

Beschreibung

InhaltsangabeInhalt Selbstbilder und Fremdbilder: Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel Jörg Baberowski Teil I: Selbstbeschreibungen und Fremdbeschreibungen in Prozessen weltgesellschaftlicher Verflechtung Einleitung Jürgen Schriewer Selbstbeschreibung der Weltgesellschaft Rudolf Stichweh Kolonialismus, Moderne und koloniale Moderne in Afrika Andreas Eckert Eine europäische Geschichte der Repräsentationen des Eigenen und des Anderen Hartmut Kaelble Teil II: Konstituierung des Eigenen im Medium von Fremdheitskonstruktionen Einleitung Jürgen Schriewer Arabische Visionen von Modernität im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Die Aneignung von Universalien oder die Übernahme fremder Konzepte? Ulrike Freitag Repräsentationen der Ausschließlichkeit: Kulturrevolution im sowjetischen Orient Jörg Baberowski Erzählungen über die Fremden und das Fremde: Die Taliban in Nordafghanistan Ingeborg Baldauf Barbaren und Dämonen: Die Konstruktion des Fremden in Imperialen Ordnungen Herfried Münkler Europe and the Other and Europe as the Other Bo Stråth Teil III: Selbstentwürfe und kollektive Identitätsbildungen Einleitung Hartmut Kaelble Historische Repräsentationen des Eigenen und Nationenbildungsprozesse in Südostasien Vincent J. H. Houben Das Eigene in der Fremde: Die chinesische Diaspora und das späte Qing-Reich Sabine Dabringhaus Ein jüdischeuropäisches Paar in der Zwischenkriegszeit: Liebesdialoge quer über den Kontinent Luisa Passerini Deutsche WirBilder nach 1945: Ethnischer Patriotismus als kollektives Gedächtnis? Wolfgang Kaschuba Der Populismus des Anderen: Die Politischen Bilder Renato González Mello Verwandtschaftsverhältnisse in Transformation: 'Making Kin' in transnationalen Räumen Stefan Beck, Sabine Hess & Michi Knecht Personenregister Autorinnen und Autoren

Autorenportrait

Jörg Baberowski ist Professor für Geschichte Osteuropas, Hartmut Kaelble Professor für Sozialgeschichte, Jürgen Schriewer Professor für Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin.

Leseprobe

Selbstbilder und Fremdbilder: Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel Jörg Baberowski Wer die Anderen in ein Bild setzt, macht dabei auch Erfahrungen mit sich selbst. In der Begegnung mit Fremden werden Gewissheiten erschüttert und herausgefordert, die Welt verändert sich. Man erfährt, dass die Welt kein Ort unerschütterlicher Wahrheiten und eindeutiger Ordnungen ist. Nichts ist mehr wie zuvor, nachdem die eigene Welt in Frage gestellt worden ist. Gewöhnlich versuchen Menschen, die herausgefordert oder verunsichert werden, die ihnen vertrauten Ordnungen und Lebensweisen zu bewahren und gegen Zumutungen zu verteidigen. Aber sie werden gezwungen, über die Welt, in der sie leben, nachzudenken, sie werden das Selbstverständliche als das Besondere wahrnehmen und es bewusst verteidigen. Nur im Spiegel des Anderen wird erfahrbar, was man selbst ist. Kultur wird reflexiv. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der interkulturellen Kommunikation für die Kulturwissenschaften: dass sie die Orte sichtbar macht, von denen aus Menschen miteinander sprechen. Nun haben aber Menschen die kulturellen Ordnungen, die ihnen eine Sprache ermöglichen, nicht zu ihrer Verfügung. Sie sind ins Leben geworfen und sie haben keine andere Wahl, als sich zu den Ordnungen, in denen sie existieren, zu verhalten. Es ist der Ort, von dem aus wir sprechen, der es uns ermöglicht, die Unterschiede zwischen uns und den anderen zu erkennen und zu bestimmen. Wer handelt, deutet, aber dieses Handeln ereignet sich nicht im Nirgendwo. Deshalb stehen Deutungen und Wissensordnungen in einem engen Zusammenhang. Hier nun kommen die Repräsentationen ins Spiel. Sie sind Organisationsformen des Wissens, Muster der sinnhaften Verarbeitung von Lebensverhältnissen und kollektiven Erfahrungen, die Menschen ermächtigen, sich in der historischen, sozialen oder politischen Realität zurechtzufinden.1 Anders gesagt: wir könnten die Welt nicht verstehen, wenn wir sie nicht auf Begriffe brächten oder in Symbolen oder Bildern darstellten und damit für uns und andere festhielten. Die Repräsentation des Erfahrenen ermöglicht es Menschen überhaupt erst, etwas zu wissen und es anderen mitzuteilen. Wenn wir nicht die Gabe besäßen, Erfahrungen aufzubewahren, weiterzuerzählen und ihnen eine dauerhafte Gestalt zu geben, könnten wir einander nicht mitteilen, wie wir die Welt sehen und erfahren haben. Um es mit Ernst Cassirer zu sagen: der Mensch kann der Welt nicht unmittelbar gegenübertreten, er kann seinen eigenen Erfindungen nicht entkommen. Statt mit den Dingen, hat er es immer nur mit sich selbst und den Repräsentationen zu tun, die sein Wissen ordnen. Die Repräsentationen schieben sich zwischen uns und die Wirklichkeit, aber sie verstellen unseren Blick auf die Welt nicht, sie machen ihn im Gegenteil erst möglich.2 So gesehen eröffnen Repräsentationen Handlungsmöglichkeiten, sie beschränken sie aber auch, weil sie keine beliebigen Optionen eröffnen. Repräsentationen sind also Darstellungsformen des Wissens, die es Menschen überhaupt erst ermöglichen, sich eine Welt zu errichten. Wo etwas zum Ausdruck gebracht wird, äußert es sich in symbolischen Formen, in Repräsentationen. Mit ihnen erschließen wir die Welt, in der wir leben. Nur wo es einen übergreifenden Verstehenszusammenhang, eine gemeinsame Ausgelegtheit der Welt gibt, ist ein Gespräch möglich. Wenn der gemeinsame Orientierungsrahmen fehlt, kann es zu Missverständnissen oder zum Abbruch der Verständigung kommen. Darin zeigt sich die Spannung jeder interkulturellen Verständigung. Gleichwohl ist jede Kultur auf die Existenz fremder Repräsentationen angewiesen, sie braucht sie, um sich ihrer eigenen Repräsentationen zu vergewissern. Das aber bringt Menschen in die Möglichkeit, sich selbst zu beobachten, sich vom anderen herausfordern zu lassen, sich zu verändern und Fremdheit durch Verstehen aufzulösen, im Wissen, das die anderen an der Lesart der eigenen Kultur mitarbeit

Inhalt

Inhalt Selbstbilder und Fremdbilder: Repräsentation sozialer Ordnungen im Wandel Jörg Baberowski Teil I: Selbstbeschreibungen und Fremdbeschreibungen in Prozessen weltgesellschaftlicher Verflechtung Einleitung Jürgen Schriewer Selbstbeschreibung der Weltgesellschaft Rudolf Stichweh Kolonialismus, Moderne und koloniale Moderne in Afrika Andreas Eckert Eine europäische Geschichte der Repräsentationen des Eigenen und des Anderen Hartmut Kaelble Teil II: Konstituierung des Eigenen im Medium von Fremdheitskonstruktionen Einleitung Jürgen Schriewer Arabische Visionen von Modernität im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Die Aneignung von Universalien oder die Übernahme fremder Konzepte? Ulrike Freitag Repräsentationen der Ausschließlichkeit: Kulturrevolution im sowjetischen Orient Jörg Baberowski Erzählungen über die Fremden und das Fremde: Die Taliban in Nordafghanistan Ingeborg Baldauf Barbaren und Dämonen: Die Konstruktion des Fremden in Imperialen Ordnungen Herfried Münkler Europe and the Other and Europe as the Other Bo Strath Teil III: Selbstentwürfe und kollektive Identitätsbildungen Einleitung Hartmut Kaelble Historische Repräsentationen des Eigenen und Nationenbildungsprozesse in Südostasien Vincent J. H. Houben Das Eigene in der Fremde: Die chinesische Diaspora und das späte Qing-Reich Sabine Dabringhaus Ein jüdisch-europäisches Paar in der Zwischenkriegszeit: Liebesdialoge quer über den Kontinent Luisa Passerini Deutsche Wir-Bilder nach 1945: Ethnischer Patriotismus als kollektives Gedächtnis? Wolfgang Kaschuba Der Populismus des Anderen: Die Politischen Bilder Renato Gonzalez Mello Verwandtschaftsverhältnisse in Transformation: ''Making Kin'' in transnationalen Räumen Stefan Beck, Sabine Hess & Michi Knecht Personenregister Autorinnen und Autoren

Schlagzeile

Eigene und fremde Welten Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel Herausgegeben von Jörg Baberowski, Vincent Houben, Hartmut Kaelble und Jürgen Schriewer