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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783813503241
Sprache: Deutsch
Umfang: 304 S.
Format (T/L/B): 2.8 x 20.3 x 14.1 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Von A bis Z - über die Provinz in uns und um uns herum

Alles, was Sie schon immer über die Provinz wissen wollten, in genau 274 Stichworten: Das neue Buch von Henning Ahrens ist ein Lese-, Entdeckungs- und Erinnerungsbuch für die vom Land und die aus der Stadt. Denn Provinz ist nicht nur ein Ort, sondern auch eine Haltung.

Provinz - ein Begriff, der viele Assoziationen weckt und mit endlos vielen Klischees behaftet ist. Von den einen wird sie verachtet und hämisch verlacht, von den anderen trotzig verteidigt und gelobt. Hier die geistige, dort die geographische Provinz. Letztere mit klaren Grenzen, erstere keineswegs, denn sie ist leider überall zu finden, ob auf dem flachen Land oder in der großen Stadt.
Der Lyriker und Romancier Henning Ahrens, auf dem Bauernhof aufgewachsen, zog als junger Mann in die Stadt und lebt heute freiwillig wieder auf dem Land. Er hat sich zu verschiedenen Stichworten Gedanken über die Provinz gemacht. So schreibt er über die Geduld erfordernde Bahnschranke ebenso wie über die Dorfschönheit oder das Schützenfest. In seinem Buch sind aber nicht nur wie in einem herkömmlichen Lexikon Definitionen zu finden, sondern auch seine Ansichten, Analysen und persönlichen Erinnerungen.
Die in der Großstadt beheimatete Illustratorin Jana Cerno hat sich von diesen Texten inspirieren lassen und das Lexikon gestaltet.

Provinz [lat.], die: 1. größeres Gebiet, das eine staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit bildet; 2. oft abwertend verwendet für eine Gegend, in der in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht nur sehr wenig geboten ist.

''In der Provinz ist schon der Regen Zerstreuung.'' Edmond de Goncourt
''In der Provinz ersetzt das Fenster Theater und Spaziergänge.'' Gustave Flaubert
''In der Stadt lebt man zu seiner Unterhaltung, auf dem Land zur Unterhaltung der anderen.'' Oscar Wilde
''Das Land macht mich nervös. Da sind Grillen, und da ist es still, und nach dem Essen kann man nirgendwo hingehen.'' Woody Allen

Leseprobe

Die Provinz um uns und die Provinz in uns Provinz ein Wort, das viele Assoziationen weckt und mit fast genauso vielen Klischees behaftet ist. Der altbekannte Antagonismus von Stadt und Land; die Verachtung, die man der Provinz entgegengebracht hat; ihre Idealisierung durch nationalistische bzw. rechtsgerichtete Kräfte; der Bauer als tumber Tor oder als Verkörperung schlichter und edler Tugenden; die Natur als unzivilisierte Einöde oder als Zufluchtsort für Zivilisationsmüde; Kleinstadt und Dorf als Hort der Spießigkeit oder beschaulicher Rückzugsraum; dazu all die düsteren Geheimnisse, die sich auf dem ach so biederen Land angeblich hinter den Fassaden verbergen, eine Mär, von der zwar so mancher Roman zehrt, die sich letzten Endes aber auch dem Klischee von Idylle und heiler Welt verdankt. Die Wahrheit ist - wen wundert's? - vielschichtiger, zumal in der heutigen Zeit, und dieses Buch stellt den Versuch dar, sie zu umreißen. Die erste Frage lautet: Wie grenzt man das Projekt ein? Die Antwort fällt zunächst nicht schwer, denn im Gegensatz zum "Land", das nur Dorf und Natur umfasst, beinhaltet der Begriff "Provinz" auch die Kleinstadt. Vielleicht sogar die kleinere Großstadt, aber hier wird es heikel, denn eine Stadt wie Hannover, für manche Provinz, ist für andere, z. B. für Ex-Kanzler Schröder, eine Metropole. Und da er auch Putin so trefflich eingeschätzt hat, vertraue ich seinem Urteil und lasse die kleinere Großstadt außen vor. Ein weiteres Problem besteht darin, dass sich "Provinz" auf zwei Arten definieren lässt - sowohl geographisch als auch geistig. Im ersten Fall sind die Grenzen geklärt; im zweiten Fall sind sie weniger leicht zu bestimmen, denn der geistige Provinzialismus bzw. die Provinz in uns ist auf keine bestimmte Region beschränkt, sondern überall zu finden, auch in der Großstadt. Niemand, der in einer solchen lebt, ist automatisch frei von Provinz, ob als Herkunft oder Geisteshaltung. Und diese sollte, meiner Ansicht nach, unbedingt in diesem Lexikon enthalten sein. Selbstverständlich soll die Provinz nicht verrissen werden, jedenfalls nicht die geographische. Im Falle des geistigen Provinzialismus liegt die Sache anders, denn dieser kann viel Unheil anrichten, vor allem, 8wenn er an der Macht ist. Das war in Deutschland der Fall, und obwohl es sich nicht um die angepeilten tausend, sondern "nur" um zwölf Jahre gehandelt hat, ist während dieser Zeit so viel Schaden angerichtet worden, dass die Nachbeben noch heute spürbar sind. Der geistige Provinzialismus, egal, an welchem Ort, in welcher Potenz oder Gestalt, hat deshalb so viele Breitseiten verdient, wie man ihm nur verpassen kann. Wie jedes Lexikon soll auch dieses informieren, und daher enthält es unter anderem Stichwörter zu historischen Themen und Objekten. Aber da es kein herkömmliches Lexikon ist, findet man nicht nur Definitionen, sondern auch Erinnerungen und Erlebnisberichte darin; außerdem einige fiktive Einträge sowie solche, in denen bestimmte Themen in Brief-, Tagebuch- oder Interviewform abgehandelt werden. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt dieses Lexikon nicht, denn als geographisches Phänomen ist die Provinz allein in sprachlicher und begrifflicher Hinsicht zu vielfältig. Dieser Vielfalt konnte und wollte das vorliegende Lexikon nicht gerecht werden, weshalb es sich vor allem auf die norddeutsche Provinz bezieht. Für jemanden, der Lyrik und Prosa schreibt, ist ein solches Buch natürlich ein kleines Wagnis und ungefähr so, wie wenn ein Musiker "unplugged" spielt; hoffen wir, dass die Töne harmonieren, die hier angeschlagen werden. Dieses Lexikon widme ich meiner Mutter und meinem 1989 verstorbenen Vater. Man hadert natürlich, aber irgendwann merkt man, dass man den Eltern einiges verdankt. H. A., Handorf, Sommer 2008 Aas Als Schimpfwort ("Du Aas!") aus der Mode gekommen, in natura aber selbstverständlich immer noch anzutreffen. Beim A. handelt es sich entweder um nach einer Krankheit verendete oder von Autos ü Leseprobe

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