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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783813503401
Sprache: Deutsch
Umfang: 84 S.
Format (T/L/B): 1.3 x 20.5 x 13 cm
Einband: Leinen

Beschreibung

Der Schlusspunkt eines großen Lebenswerks Zu seinem 80. Geburtstag, das hat Walter Kempowski kurz vor seinem Tod verfügt, soll der Gedichtzyklus "Langmut" erscheinen. "Ich glaubte immer", so Kempowski, "dass ich nie ein Gedicht schreiben werde, und doch stieß mir die Stimme, wie Rilke sagt, eines Tages den Mund auf. Da wusste ich auf einmal, dass mit meinem Buch >Im Block< noch nicht das letzte gesagt worden war über meine Haftzeit in Bautzen."Das Leichte, Helle war dem Schriftsteller Walter Kempowski nicht gegeben. Am Beginn stand die traumatische Erfahrung der Haft in Bautzen. Dort wurde der junge Kempowski durch das DDR-Regime isoliert. Nach seiner Ausreise in die Bundesrepublik ließ sein Gefängnisbuch "Im Block" aufhorchen. Mit "Langmut", entstanden in seinen letzten Lebensjahren, schließt sich nun der Kreis.

Autorenportrait

Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ.Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Seit 30 Jahren erscheint sein umfangreiches Werk im Knaus Verlag.

Leseprobe

Knaus Das letzte Wort war das erste, mit dem Pinsel schrieb man es dir auf die Stirn. Von da an warst du gerettet. Die Nacht war dein Tag, du hocktest auf dem Pendel, und die Uhr zog sich von selber auf. Die Fingerkn?chel sind wei?und die Striche schwarz. Kein Rot, kein Blau. Z?st du die wei?n Flecken auf dem Perlmutt deiner N?l? Inseln im All. Wasser und Brot. Brot und Wein? Rot gl?hte der Wein, als du ihn in die Sonne hieltest. Brot! wurde gerufen - in den gewalkten Laiben drei Spelzen Gras. Falten am Hals des Elefanten. Ins Ohr hast du dich verkrochen, und in den Augen h?rst du, was deine Ohren sehn. Das Schiff siehst du von unten, die V?gel von oben. Der Stempel hat alles zusammengefa?. Der Splitter im Auge fiel von selber heraus. Die Narbe lag unter der Haut! Du h?rtest den Schritt, du h?rtest den Schl?ssel im Schlo? doch ?ffnen lie?es sich nicht. Die Pre?lume Zwischen den Seiten des Folianten, zwischen den Seiten des gesch?pften Papiers liegt sie entbl?ert, die Blume. Ein Fleck aus Orange hat sich ?ber die Schrift gelegt, ein Seufzer aus Braun und Metall. ?erm Griffbrett liegen die Saiten in deiner Hand. Streich nicht dr?ber hin. La?liegen, was nicht aufgerufen. Hol nicht zur?ck, was davongeflogen. Die Zargen halten verschlossen, was an Schweigen noch in uns ist. Die Saite zittert unter deinem Bogen, doch nichts zerspringt! Die Mauern bleiben ohne Craquele. Rundum laufen die Hunde. Dies ist der Schierlingsbecher aus alterndem Wasser. Du beugst dich ?ber den Spiegel, den dein Atem in Kreisen riefelt. Noch gibt es das Wasser des Lebens umsonst. Am Tag schw?t sich der Himmel ein. Der gerippte Wal deiner Stunden liegt auf der Seite. Piranesi Unter den Halbbogen auf eisernen Treppen hinauf - hinunter. Ketten h?en keine herab. An der T?r ist kein Zeichen. Nichts wurde vermerkt. Bist du dein eigenes Bild? Sitzt einer da und malt dich? Sollst du dein Brot brechen oder den Krug ansetzen? Hast du unter dem Fenster zu stehen? Kein Strahl, in dem Staub tanzt. Das Licht wird dir zugeteilt. Malst du schon lange dein Bild? Machst Zeichen hierhin und dort? Ritz in deine Brust ein Kreuz! Gehen so die Tage dahin? Seltene Tage des Lichts, Wind streicht durch die Harfe des Gitters: bis an die Lupe der T?r! K?e h? ihn nicht auf. Die Seiten der Wand la?stehen. Aufbl?ern kannst du sie nicht. So viele Jahre ging immer ein Pinsel dar?ber hin. Stacheldraht Ganz h?bsch, diese Falter von Draht! Sie halten die Beine gespreizt. Sie fliegen nicht fort. Tropfen h?en und fallen. Die St? vibrieren im Wind. Sommerabend Es war Abend, als Sommerschwall zu dir drang. Kein stummer Mond, keine t?nende Sonne. Ein Hauch von W?e. Riefen Kinder nach dir? Das Ohr an der Wand. Du h?rtest den Schatten, als er vor?berglitt. War es ein Seufzer? War es ein Schrei weit weg? Leseprobe

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